Kritik zu Abraham Lincoln Vampirjäger

© 20th Century Fox

Die Geschichte des 16. Präsidenten der USA, vom frühen Tod der Mutter bis zur Gettysburg Address, mal ganz anders: Timur Bekmambetov verfilmt Seth Grahame-Smiths History-Mash-up, das »Abe« als axtschwingenden Jäger der Untoten entlarvt

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Absurde Filmtitel haben eine lange Tradition im Genrekino. Egal wie billig amerikanische Werke wie Santa Claus conquers the Martians (1964) oder Jesse James meets Frankenstein’s Daughter (1966) auch produziert waren, stets wollte das zumeist juvenile Publikum sehen, was sich hinter den haarsträubend anmutenden Genre-Crossover-Titeln verbarg, und löste brav Tickets fürs Autokino. »Jetzt bietet ein Film alles!«, heißt es auchim Trailer der 2009 entstandenen britischen Horrorkomödie Lesbian Vampire Killers. Denn B-Film-Sujets von gestern sind längst im Mainstream angekommen und stellen die Blockbuster von heute dar. Da darf der von Tim Burton mitproduzierte Horrorfilm Abraham Lincoln Vampirjäger auch schon mal 69 Millionen US-Dollar Produktionskosten verschlingen. Regie führt der russisch-kasachische Filmemacher Timur Bekmambetov, der mit seinen aufwendig produzierten Fantasy-Horror- Science-Fiction-Crossover-Filmen Wächter der Nacht (2004) und Wächter des Tages (2006) international Aufmerksamkeit erregte und mit Wanted (2008) bereits seine Hollywoodtauglichkeit unter Beweis gestellt hat. Sein Film hat aber nicht den burtonschen Gothic-Horror-Touch, den man vermuten könnte. Stattdessen gibt es farbentsättigt trübe 3D-Bilder, die der »Steampunk«-Ästhetik alter vergilbter Fotografien nachempfunden sind.

Als kleiner Junge muss Abraham Lincoln mitansehen, wie seine Mutter des Nachts im Bett von einem Vampir ermordet wird. Sein Vertrauter Henry Sturges – wie sich herausstellt, selbst ein Vampir – bringt dem politisch ambitionierten Schützling die Regeln der Vernichtung der Blutsauger bei, und fortan kämpft der spätere 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika nicht nur gegen die Sklaverei, sondern auch gegen die heimliche Herrschaft der Untoten.

Inhaltlich und vor allem formal ist alles möglich in dieser von digitalen Spezialeffekten dominierten Parallelwelt. Aber nichts ist für den Zuschauer auch nur annähernd glaubwürdig. Da springt der mit einer silber beschichteten Axt bewaffnete Abraham Lincoln scheinbar schwerelos über die Rücken galoppierender Pferde, um den verhassten Obervampir einzuholen. Selbst das rotbraune Blut, das in Zeitlupe aus den Stümpfen der von Lincoln kampfkunsterprobt abgeschlagenen Vampirköpfe sprudelt, ist offensichtlich nachträglich digital ins Bild animiert. Von Humor, der das unwahrhaftige Treiben in dieser eigentlich erfrischend haarsträubenden Geschichtsverfälschung ironisch brechen könnte, findet sich in Abraham Lincoln Vampirjägern jedoch keine Spur. Allein die Tatsache, dass sich hier ein russischer Regisseur an amerikanischer Geschichte vergreift, hätte doch eigentlich zwangsläufig zu Irritationen führen müssen. Doch Bekmambetovs Film wirkt wie ein uninspiriertes Computerspiel auf Autopilot, und seine Spielfiguren/Protagonisten sind nicht mehr als grob charakterisierte Abziehbilder, für die man als Zuschauer nur wenig Empathie empfindet. Schade eigentlich. Denn echte Persönlichkeiten des Zeitgeschehens durch die popkulturelle Mangel des Trivialkinos zu drehen, kann durchaus einen subversiven Reiz haben

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