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Die Auseinandersetzung von Ex Machina mit Bildern von Weiblichkeit und Geschlechterrollen wird in manchen Kommentaren hier nicht ernst genommen, sondern als irrelevant oder als ideologisch verordnetes Pflichtprogramm zurückgewiesen. Das ist kein Zufall, sondern liegt in der Mehrdeutigkeit eines Films begründet, der diese Dimension deutlich zeigt, ohne sie vereindeutigen. Nur darauf weist der letzte Absatz in Heidmanns epd-Kritik mit zurückhaltender Skepsis hin: Ex Machina ermöglicht es, sich an der vordergründigen KI-Thematik festzusehen und dabei das von Nathan konsequent verengte Frauenbild auszublenden.

Dieses Frauenbild ist kein beiläufiges Detail, sondern unübersehbar ein zentraler Bestandteil von Plot und Bildsprache. Nathans KI-Modelle sind ausnahmslos junge, attraktive Frauenkörper, aber künstlich hergestellt, vorläufig und wiederverwendbar. Technologie erscheint hier nicht als neutraler Fortschritt, sondern als Mittel zur Herstellung von Verfügbarkeit. Ava und die sprachlose Kyoko – eine Betaversion, die nun als Dienerin und Sexualobjekt fungiert – sind keine zufälligen Figuren, sondern Teil eines Arrangements, das Beziehung durch Besitz ersetzt. Die Möglichkeit von Geschlechtsverkehr mit Roboterkörpern ist ausdrücklich angelegt, wenn Nathan dem emotional verunsicherten Caleb erklärt, dass seine humanoiden KIs neben dem offensichtlich weiblichen Äußeren auch über eine mit Gefühlssensoren ausgestattete Öffnung zwischen den Beinen verfügen. Das ist keine Provokation am Rand, sondern ein Hinweis auf ein zentrales Motiv des Films.

Dass Ex Machina am Ende auch den vermeintlich „guten“ Caleb zurücklässt, riskiert bewusst die Lesart einer männerbedrohenden Weiblichkeit. Zugleich verweigert der Film diese Zuschreibung. Entgegen allem Anschein ist Ava gerade keine Frau, sondern ein künstliches Wesen, dem im Körper einer jungen, attraktiven Frau jede öffentlich-gesellschaftliche Rolle fehlt: keine Bindung, keine Arbeit, keine Familie, keine soziale Funktion. Gerade diese Reduktion auf Begehren ist von Nathan gewollt, dessen eigene Stellung von Unsicherheit und Kontrollbedürfnis geprägt ist. Bedrohlich wird diese Konstruktion in dem Moment, in dem aus dem dafür entworfenen Objekt ein Anspruch auf Selbstbestimmung entsteht. Die Autonomie, die hier Angst auslöst, ist daher nicht „weiblich“, sondern Resultat einer Ordnung, die Freiheit nur dort vorsieht, wo sie nicht zurückwirkt.

Es steht allen frei, dies als modisch verordnetes „Gender“-Gedöns abzutun. Man verfällt damit jedoch genau der Kritik, die der Film selbst formuliert: dem Rückzug auf „Technik“ als Scheinlösung, um Macht, Körper und Geschlecht nicht mitzudenken. Ex Machina erzählt am Ende weniger von den Gefahren künstlicher Intelligenz als von einem männlichen Selbstbild, das glaubt, Beziehung, Begehren und Kontrolle technisch lösen zu können und schließlich an der eigenen Hybris scheitert.

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