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In seinem Langfilmdebüt verlegt Lauro Cress die Novelle von Stefan Zweig radikal in die Gegenwart. Warum das so gut funktioniert, erzählt er im Werkstattgespräch mit epd-Autor Jens Balkenborg
Würde man die Nennung im Vorspann verpassen, käme man womöglich gar nicht auf die Idee, dies sei eine Adaption von Stefan Zweigs »Ungeduld des Herzens«. Lauro Cress’ Langfilmdebüt überträgt den Konflikt zwischen Mitgefühl, Verantwortung und Eitelkeit vom Ende der Donaumonarchie in eine Garnisonsstadt der Gegenwart. Isaac (Giulio Brizzi), Gefreiter beim Bund und Sohn einer italienischen Migrantin, gerät in den Bann der wohlhabenden Familie Schwarz, nachdem er sich für sein unbeholfenes Verhalten gegenüber der querschnittsgelähmten Edith (Ladina von Frisching) entschuldigt. Edith beeindruckt ihn durch ihre kämpferische Selbstbehauptung; sie reagiert empfindlich auf Kränkungen und bestimmt selbstbewusst die Regeln des Umgangs. Zwischen beiden entsteht eine Beziehung, in der Empathie schnell zur moralischen Verpflichtung wird. Zweigs Diagnose der »Vergiftung durch Mitgefühl« bildet dabei den emotionalen Kern.
Das Drehbuch von Cress und Co-Autor Florian Plumeyer sucht weniger nach exakten Entsprechungen als nach einer eigenen Erzählung – und gewinnt daraus eine überraschende Frische.
DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum
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