Kritik zu Adams Acht
Konventionelles und doch berührendes Drama von Hannu Salonen über den Olympiasieg des Ruder-Achters im Nachkriegsdeutschland.
Der Sport taugt hervorragend für Heldengeschichten. Erzählt er doch von Erfolgen und Niederlagen, Freundschaft und Rivalität, oftmals auch von persönlicher Läuterung und davon, wie jemand über sich hinauswächst. Im historischen Kontext birgt er meist noch eine politische Komponente. Der Olympiasieg des Ruder-Achters 1960 in Rom mit dem Trainer Karl Adam liefert all das.
Oliver Masucci spielt Adam, den einstigen Napola-Lehrer, an Körper und Geist gezeichnet. Nach dem Krieg arbeitet er weiter als Oberstudienrat an einer Ratzeburger Schule. Er ist den oft vaterlosen Jungen ein strenger Lehrer und ehrlicher Mentor. Obwohl er selbst nie gerudert hat, übernimmt er das Team der Schule. Mit technischem Denken entwickelt er völlig neue Trainingsmethoden und gibt den Jungen Selbstbewusstsein und neue Perspektiven.
Zum Team gehört Hans Lenk (Felix Kammerer). Er träumt davon, Philosophie zu studieren, und rudert regelmäßig heimlich über den Ratzeburger See zu seiner Freundin Ulla (Svenja Jung) und deren Tochter. Ihm widerstrebt Adams Nazivergangenheit und die Tatsache, im elitären Rudersport gegen die Bonzen anzutreten. Schlagmann Manfred Rulffs (Leonard Kunz) wiederum weiß nicht, wohin mit seiner Wut auch über die soziale Kluft zwischen ihm und seiner Freundin Rose (Stephanie Amarell). Es sind teils Stereotype, die doch alle das bundesrepublikanische Nachkriegsdeutschland widerspiegeln.
Caster Patrick Dreikauss hat diese Figuren bis in die kleinsten Nebenrollen (Axel Milberg, Heino Ferch) großartig besetzt. Masucci ist kraftvoll, unerschrocken und doch gebrochen, Kammerer gibt den sensiblen Intellektuellen mit energischer Zurückhaltung und Kunz den etwas grobschlächtigen Manfred als wilden Kerl mit großem Herzen. Kameramann Felix Cramer nutzt die Symmetrie der Ruderschläge, die glitzernde Sonne auf dem Ratzeburger See, die muskulösen Körper, die verunsicherten und entschlossenen Gesichter der jungen Sportler. Den jungen Männern bei ihrem Kampf um Anerkennung und Gold zuzusehen, macht Spaß und hat mit seinen vielen stillen Szenen auch berührend nachdenkliche Momente.










Kommentare
habe eine Vor Premiere gesehen
Was für eine große Arbeit. Unbeding ansehen.
Das ist internation konkurrenzfähiger Kinofilm, wobei der Sport nur das Beiwerk ist. Es geht um sehr viel mehr bewegende deutsche Geschichte. Sollte jemand The Boys in the Boat von Clooney gesehen haben - bitte trotzdem ansehen. Hier ist eine andere Liga an toller Bildsprache und Geschichte am Start. Unvergleichlich besser.
Sensationell guter Film
Ich habe auch eine Vorpremiere gesehen und kann nur 3 Sterne überhaupt nicht nachvollziehen. Der Film ist wirklich eine tolle Kombination aus Deutscher Geschichte und Rudersport. Tolle Aufnahmen! Ich kann ihn nur empfehlen- ob Leistungssportler oder nicht.
Film Adams Acht
Nun ja, ein Spielfilm eben und recht gut gemacht.
Bin selbst Ruderer, inzwischen 81 Jahre alt und habe im richtigen Leben einige der Aktöre persönlich gekannt bzw. kennengelernt. Kenne auch Ratzeburg. Hab dort in Wettkämpfen gerudert und dort trainiert. Was mir an dem Film nicht gefallen hat, war die Reduzierung des Achters neben Adam auf nur 3 Protagonisten: Rulfs, Lenck, von Groddeck. Dies war einfach zu wenig und wird dem Werden des Ruderns in Ratzeburg nicht gerecht. Klar, dies fällt natürlich nur dem Kundigen auf, wie auch, dass die Protagonisten nicht richtig rudern konnten, trotz allen Bemühens. Vieles was sich gelohnt hätte noch erzählt zu werden, wurde nicht oder nur sehr verkürzt erzählt - schade! Für mich zu wenig vom Rudern und zu viel DDR!
Film Adams Acht
Ein geradliniger schlichter Film, der mich angerührt und unterhalten hat. 4 Sterne. Für Leute die mit Rudern, Ratzeburg oder der DDR-Grenze zutun haben 5 Sterne must see Film. Das DDR-Grenzthema ist zurecht und gelungen eingebaut worden, fängt es doch das bedrohliche Gefühl und die Trennung ein, die von dem System ausging und die Gegend geprägt hat. - Man kann heute noch die geschleiften Häuser im Wald sehen, die dem Erdboden gleichgemacht wurden. Wer etwas über die Bewohner, die von der SED-Partei vertrieben und verächtlich gemacht wurden lesen möchte kann bei Wikipedia nach Aktion "Ungeziefer" und Aktion "Kornblume" suchen.
Ich muss zudem sagen dass Manfred Rulfs (Manni) später mein Sportlehrer war und wir Kinder von ihm auf der Mofa und rauchend im Sportunterricht um den Küchensee beim Laufen begleitet wurde. Ich habe ihn gemocht, auch weil er uns oft in der Sporthalle (in der heutigen Stadtbücherrei) einen Ball gegeben hat und wir spielen durften was wir wollten. Wir sind ab und zu mit dem Vierer statt über den Ratzeburger See zu hecheln mit dem Boot zu der Eisdiele (Pelz) gefahren, wobei wir einmal das Boot im flachen Wasser versenkt haben. Manni hat uns vier dann in eine Reihe gestellt und statt Schimpfe zu bekommen hat er gesagt: Jungs einer von euch muss zu seinen Eltern gehen und dann wird das eure Haftpflicht schon bezahlen. Aber einer von euch muss sich freiwillig melden. Kurz bevor ich mich melden wollte hat es dann einer meiner Mitversenker getan. Damit war die Sache erledigt. Kein Direktor, kein Ärger, alles gut. Manni blieb so ruhig als sei das alles gar nichts. Das habe ich bewundert. Das Eis von der Eisdiele Pelz schmeckt immer noch gut. Das mein Sportlehrer berühmt war habe ich erst gemerkt als er mal auf der Rückseite meiner Kellogsconrflakespackung drauf war. Das hat mich dann doch sehr beeindruckt. Aber er selbst hat das nie erzählt oder raushängen lassen. Er war sich selbst (mit Zigarette und See) genug.
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