Grenzenlos

Der Berlinale ist ein Ort des Austausches. Ein Filmproduzent, den ich letztes Jahr traf, sagte auf die Frage, welcher Film ihm am besten gefallen habe, "zum Filmschauen komm ich hier gar nicht. Habe zu viele Termine". Man schätzt die freie Bewegung in der Kunst. Die Wege allerdings, die man dazu täglich zurücklegen muss, zwischen Futterstellen, Pressekonferenzen und den verschiedenen Kinos, sind alles andere als frei. Natürlich muss man die Menschenmassen hier irgendwie kanalisieren, aber so schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie. Strassen werden von Gittern gesäumt, bewacht wie französische Parkpklätze. Der Autoverkehr wird im Schritttempo durchgelassen, nur die Menschen müssen sich einen Weg suchen. Man fühlt sich wie bei einem Besuch des israelischen Ministerpräsidenten oder beim Tag der offenen Tür in den Redaktionsräumen von Charlie Hebdo. Manchmal muss man mehrere hundert Meter laufen, einfach nur um die Straße zu überqueren. Es wimmelt von freundlichen, aber unnachgiebigen Polizisten und der sogenannte Eventbereich, da wo die Stars ankommen und abfahren, ist ein Hochsicherheitstrakt. Vielleicht macht die schiere Größe des Festivals paranoid. Vielleicht ist es auch nur der deutsche Sicherheitswahn. Angenehm ist es jedenfalls nicht. Und es steht leider außer Frage, die Berlinale wieder etwas schrumpfen zu lassen. 

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