An die Arbeit

Eines meiner Lieblingszitate von Francois Truffaut erfuhr ich von der Schauspielerin Marie.France Pisier, die Anfang der 1960er von ihm entdeckt wurde und in zwei Episoden seines Antoine-Doinel-Zyklus' auftrat, »Liebe mit Zwanzig« und »Liebe auf der Flucht«. Ein Drehbuch, sagte er einmal zu ihr, ist ein Glücksversprechen. Bleiben wir ruhig beim Original, „une promesse de bonheur“, da es in diesem Eintrag um um zwei frankophone Projekte geht.

Um den Jahreswechsel herum haben zwei Regisseure, die auch Schauspieler sind, ihre neuesten Vorhaben auf Instagram angekündigt, wo sie jeweils das Frontispiz ihrer Drehbücher zeigen .Da ich mich nicht auf in den sozialen Medien tummele, erfuhr ich aus "Le Figaro" davon. Wird das ein schöner Neujahrsbrauch? Den Anfang machte vor fünf Tagen Franck Dubosc, der vor und hinter der Kamera eine erfreuliche Erscheinung ist. Seine jüngste Regiearbeit, die Krimikomödie »How to make a killing« (Un ours dans la jura) läuft noch in einigen Kinos. Meist spielt er (und inszeniert sich als) den unredlich ergrauten Macho, den turbulente Ereignisse zum Umdenken bewegen. In „5:48 place des Martyrs“ scheint er ein anderes Register zu ziehen, darin soll es um einen Busfahrer gehen, der seine Fahrgäste als Geiseln nimmt, Allerdings ist er mit diesem Metier durchaus vertraut, in »Die Rumba Therapie« chauffierte er Schüler. Co-Autorin ist wiederum Sarah Kaminsky, mit der er schon seinen vorangegangenen Film schrieb, der in Frankreich stolze anderthalb Millionen Kinokarten verkaufte. Auf dem Cover des gebundenen Drehbuchs ist das Foto eines von Polizisten umringten Busses zu sehen sowie das Logo der Produktionsfirma Gaumont“. Darüber hat er die Selbstaufforderung "Au Travail..." gepostet, die diesem Eintrag ihren Titel verdankt. Nebenbei entnehme ich seiner Instagram-Identität, dass er offenbar Mel Tormés Version von »The Windmills of your mind« schätzt. Ich persönlich finde sie ein wenig träge, obwohl ich den Velvet Frog ansonsten überaus bewundere. Gleichviel, Drehbeginn soll im Sommer sein.

Heute früh wiederum entdeckte ich im „Figaro“ ein weiteres Glücksversprechen. Xavier Dolan hat auf Instagram das Titelblatt seines Comebacks gepostet. Der Titel ist geschwärzt. Recht so, dergleichen darf man nicht nur dem US-Justizminsterium überlassen. Überhaupt ist dies Frontispiz ganz schlicht und nüchtern gehalten, es vermerkt einfach nur, dass dieses Drehbuch von ihm stammt, auf den 30. Dezember datiert ist und der Drehbeginn für den Herbst geplant ist. Die geballte Konzernmacht von Gaumont hat er zwar nicht hinter sich. Aber seine Ankündigung ist ungleich spektakulärer. Gewiss, seinen Rückzug vom Filmgeschäft vor drei Jahren habe ich nie ganz ernst genommen – schließlich ist der Kanadier gerade einmal halb so alt wie Dubosc -, aber betrübt hat mich dieser jugendlich-hochmütige Abschied schon. Seither kokettierte er gelegentlich mit einer möglichen Rückkehr in den Regiestuhl. Alles andere wäre auch ein Frevel angesichts seines maßlosen Talents. 2024 kündigte er beim Festival Lumière in Lyon an, seine Schaffenslust sei zurückgekehrt, sein nächstes Projekt sei ein Horrorfilm, der sich mit anderen Genres vermischt und im Frankreich der 1880er spielt.

Er stellte das zweite Kapitel seiner Karriere in Aussicht, das sich nun zu konkretisieren scheint. Ob es tatsächlich der gleiche Stoff ist, bleibt abzuwarten. Zwischendurch war auch einmal eine TV-Serie über die Anfänge der Punkbewegung einhundert Jahre später im Gespräch. So sehr mir„Die Nacht, in der Laurier erwachte“ (https://www.epd-film.de/blogs/autorenblogs/2024/die-hoelle-ist-leer-alle-teufel-sind-hier) auch gefiel, ich will Dolan zurück im Kino erleben. Deshalb gefällt mir auch die Datumsangabe so gut: einen Tag vor Jahresende fertiggestellt, gerade noch auf den letzten Drücker. Etwas ist abgeschlossen, nun kann man beruhigt ins neue Jahr gehen und sehen, wie es sich wieder vor der Kamera wieder öffnet.

 

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