HBO Max: »The Pitt«

»The Pitt« (Staffel 1, 2025). © HBO Max

»The Pitt« (Staffel 1, 2025). © HBO Max

Die preisgekrönte US-Erfolgsserie startet verspätet in Deutschland auf HBO Max, dafür direkt mit Staffel zwei

Selten musste das deutschsprachige Publikum so lange auf eine gehypte Serie warten wie im Fall von »The Pitt«. Bereits im Januar 2025 startete sie in den USA, die Kritiken waren so begeistert wie die Abrufzahlen prächtig, und im Herbst gab es sogar den Emmy als beste Dramaserie. Doch erst nun, mit dem hiesigen Launch von HBO Max, ist die Serie auch bei uns verfügbar. Immerhin: Neben der kompletten ersten Staffel geht auch direkt die zweite an den Start, mit einer neuen Episode pro Woche.

Auf den ersten Blick überraschte die Begeisterung über »The Pitt«. Krankenhausgeschichten sind schließlich keine Seltenheit, nicht einmal solche, die in der Notaufnahme spielen: Selbst in Deutschland wusste man mit »KRANK Berlin« jüngst zu überzeugen, und »Emergency Room« hat seinen Platz in der TV-Geschichte ohnehin schon lange sicher. Bereits damals gehörten R. Scott Gemmill und John Wells zu den Verantwortlichen, nun ziehen sie bei der »ER«-Neuauflage, die offiziell keine ist, die Fäden.

Das Konzept von »The Pitt« ist alles andere als revolutionär. Folge über Folge sieht man dem geschäftigen Treiben in der Notaufnahme im fiktiven Trauma Medical Center in Pittsburgh zu und begleitet die Ärzt*innen und Pflegekräfte bei der Arbeit, die buchstäblich und ohne Rücksicht auf persönliche, emotionale und andere Befindlichkeiten über Leben und Tod entscheidet. Was diese Serie allerdings von anderen unterscheidet – und das Stresslevel auch beim Publikum ordentlich erhöht –, ist die Tatsache, dass Erzählzeit und erzählte Zeit hier deckungsgleich sind und somit die 15 Folgen der ersten Staffel einem langen, Alltäglichkeiten wie höchste Dramatik gleichermaßen umfassenden Arbeitstag von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr abends entsprechen.

Wie es Showrunner Gemmill und sein Team dabei schaffen, nicht nur dem »Medizinfall der Woche«-Schema zu entgehen, sondern auch den Arbeitsplatz Krankenhaus als Mikrokosmos unter Hochdruckbedingungen zum Leben zu erwecken, ist nicht weniger als meisterlich. Dank exzellenten Drehbüchern und einem erstklassigen Ensemble rund um »ER«-Veteran Noah Wyle als Oberarzt Dr. Robby (ebenfalls stark: Katherine LaNasa als Stationsschwester Dana, Fiona Dourif als Dr. McKay, Bryan Cranstons Tochter Taylor Dearden als neurodivergente Jungärztin) kommt weder auf Belegschafts- noch auf Patient*innenseite irgendwer zu kurz, selbst wenn die Menge an Bällen, die hier in Sachen Handlungsstränge, Konfliktherde und Privatangelegenheiten im Spiel gehalten werden, nicht nur auf das Personal manchmal überwältigend wirkt.

Packende Dramatik und blutige Details, amüsante Running Gags (wie all die Körperflüssigkeiten, die immer wieder auf dem verunsicherten, von Gerran Howell gespielten Medizinstudenten Whitaker landen) und das Verhandeln komplexer medizinischer wie gesellschaftspolitischer Sachverhalte – »The Pitt« gelingt eine grandiose Mischung. Die zweite Staffel, die zehn Monate später spielt, als Dr. Robby kurz vor einer dreimonatigen Auszeit steht und seine Vertretung Dr. Al-Hashimi (Sepideh Moafi) kennenlernt, knüpft qualitativ nahtlos daran an.

OV-Trailer

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