ARD-Mediathek: »Babylon Berlin« Staffel 5

»Babylon Berlin« (Staffel 5, 2026). © Frédéric Batier/Christine Schroeder/X Filme Creative Pool/ARD Degeto Film/WDR/SWR/HR/Radio Bremen/Beta Film

© Frédéric Batier/Christine Schroeder/X Filme Creative Pool/ARD Degeto Film/WDR/SWR/HR/Radio Bremen/Beta Film

Nach langem Warten erscheint die finale Staffel der deutschen Großproduktion und führt mitten hinein in die Zeit der NS-Machtübernahme

Vier Wochen sind der Handlungsrahmen der fünften Staffel von »Babylon Berlin«: vom 30. Januar, dem Tag, an dem Hindenburg Hitler zum Reichskanzler ernennt, bis zum 28. Februar 1933. Die ersten drei Folgen legen den Fokus auf Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) und ihre verzweifelte Suche nach Gereon Rath (Volker Bruch), der auf dem Berliner Presseball mit einem Mordverdächtigen spurlos verschwunden ist. Folge vier setzt neu an und begleitet Rath bei seiner Fluchthilfe für Dr. Forster (Ulrich Noethen). Dass der Psychiater von Regierungsrat Wendt (Benno Fürmann) gesucht wird und warum, bildet einen von mehreren Spannungsbögen. Dazu treten wiederkehrende Schwarz-Weiß-Rückblenden ins Jahr 1918. Im Lazarett untersucht Dr. Forster neurologisch Geschädigte – darunter einen Patienten, dessen Krankenakte politischer Sprengstoff ist.

Über Umwege gelingt es Gereon, Dr. Forster nach Paris zu bringen. Auf dem Rückweg wird er jedoch verhaftet und gerät in ein Geheimgefängnis der SA, wo er den Tageszeitungs-Chefredakteur Heymann (Martin Wuttke) und dessen Mitarbeiter Katelbach (Karl Markovics) schwer misshandelt wiedertrifft. Menschenjagden, willkürliche Verhaftungen und Ermordungen sind längst an der Tagesordnung. De facto (und bald de jure) hat die SA die Polizei übernommen. Ein Attentat auf Hitler (Clemens Schick) könnte den Wahn stoppen.

Neben großen Schauwerten und Inszenierungsaufriss, langen Erzählbögen und historischen Detaileinblicken lag die Qualität von »Babylon Berlin« immer auch in der Tatsache, dass der Ausgang im Grunde bekannt ist: Hitler wird keinem Tyrannenmord zum Opfer fallen, die Gewaltherrschaft des »Tausendjährigen Reichs« wird fast anderthalb Dekaden dauern. Und doch gelingt es vor allem gegen Ende, als Gereons Attentat auf Hitler in die Nähe der Verwirklichung rückt, uns zu überzeugen, dass Geschichte nicht zwangsläufig, sondern im Spannungsraum von Handeln und Zufall stattfindet. Aus dem Wirklichkeitsraum der historischen Serie öffnet sich der Möglichkeitsraum. Ohne plumpe, aber doch mit deutlichen Gegenwartsbezügen kann »Babylon Berlin« auch nötige Nachhilfe in Urteilskraft geben.

In der letzten Folge wird der Plenarsaal des Reichstags zum Flammeninferno. Wir Zuschauer werden mitten hineininszeniert in das materielle Ende der Weimarer Demokratie, den Reichstagsbrand. Viele haben darauf hingearbeitet und wir haben sie hier in den vorangehenden Staffeln der 1929 einsetzenden Serie immer dreister agieren gesehen. Das Schicksal von Gereon Rath (Volker Bruch), Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries), Anno alias Dr. Schmidt (Jens Harzer) und Polizeifotograf Reinhold Gräf (Christian Friedel), die sich an Ort und Stelle befinden, wird mit diesen Szenen entschieden. Buch, Regie, Bildgestaltung, Darsteller, alle platzieren uns konkret in die Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933. Danach gibt es nur noch wenige Szenen, die auf das Schicksal der wichtigsten Personen verweisen – und auf das ihrer historischen Vorbilder. Was in der ersten Staffel von »Babylon Berlin« mit dem »Tanz auf dem Vulkan« (Klaus Mann) begann, ist nun zu Asche verbrannt. Uns zur Mahnung und als Unterhaltung, was kein Widerspruch sein muss.

Die fünfte Staffel ist auch das Ergebnis einer zehnjährigen Produktionsanstrengung. Fiktionalhistorische Langstrecke, mit einem riesigen Cast, zahllosen Hauptrollen und sichtbarem Augenmerk auf die Gewerke, wie man sie sonst eher aus internationalen Großproduktionen kennt. Nach dem Rückzug des Co-Produzenten Sky gab es die Frage, ob ohne diesen Partner das Finale gestemmt werden kann. Es wurde, und es hat sich gelohnt.

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