DVD-Tipp: »Tschernobyl 1986«

© Capelight Pictures

Atomare Tragödie

Als im Frühjahr die Free-TV- Ausstrahlung der britisch-amerikanischen Serie »Chernobyl« in Deutschland für gute Quoten sorgte, waren das Reaktorunglück von Tschernobyl und seine Folgen wieder einmal ein großes, wichtiges Thema. Gleichzeitig erschien in Russland im Kino eine einheimische Produktion, die mit viel Aufwand und bekannten russischen Stars punkten wollte, aber weit unter den kommerziellen Erwartungen blieb: »Tschernobyl 1986«. 

Regisseur und Hauptdarsteller Danila Kozlowski erzählt die zwei Wochen vor dem Reaktorunglück angesiedelte wieder auflebende Liebesgeschichte zwischen dem Feuerwehrmann Aljosha und Olga (Oksana Akinshina). Beide haben einen gemeinsamen Sohn, der zu den ersten Strahlungsopfern des Reaktorunglücks zählt. 

Anders als in der HBO-Serie spielen politische und gesellschaftskritische Aspekte nur eine untergeordnete Rolle. Gezeigt werden vor allem die menschlichen Schicksale der ersten Helfer und Opfer, der Feuerwehrleute und sogenannten Liquidatoren. Dabei wird es bestenfalls indirekt politisch. So taucht einmal ein gnadenloser Apparatschik auf, der materielle Anreize für Freiwillige verspricht, auch dass man die verstrahlten Männer in eine Spezialklinik in die Schweiz ausfliegen wird. Und Aljosha will, dass Olgas und sein Sohn seinen Platz erhält. Dann wird es rührselig, nah an »Titanic« mit einer Mischung aus Opfermut und Heldentum, und so reiht sich »Tschernobyl 1986« in eine lange Reihe russischer Großproduktionen ein, die Hollywoodramaturgien für ein russisches Publikum anpassen. Die amerikanische Serie und das russische Kinoepos ergänzen sich thematisch, auch wenn HBO die packendere und analytischere Version produziert hat. »Tschernobyl 1986« zeigt dagegen deutlich auf, wie wenig Gesellschaftskritik (auch an der untergegangenen UdSSR) derzeit im russischen Mainstream­kino möglich ist.



VÖ: 17. September 2021

Bestellmöglichkeit (DVD/Blu-ray)

 

 

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