Streaming-Tipp: »Five Came Back«

© Netflix

2017
Original-Titel: 
Five Came Back
Filmstart in Deutschland: 
31.03.2017
K: 
Musik: 
V: 
L: 
195 Min
FSK: 
Ohne Angabe
ab 31. März bei Netflix

Den Slogan »America First« gibt es nicht erst, seitdem Donald Trump mit ihm hausieren geht. Er war in den dreißiger Jahren auch das Motto der amerikanischen Isolationisten und Anti-Interventionisten, die selbst noch im Angesicht des beginnenden Krieges der Meinung waren, dass Amerika sich da gefälligst raushalten sollte. Einer ihrer Protagonisten, den man auch in der Doku »Five Came Back« sprechen hört, war der Atlantiküberquerer Charles Lindbergh, ein Rechter und Antisemit. Auch Amerikas Filmindustrie wollte ihre Absatzmärkte auf dem europäischen Kontinent nicht verlieren.

Doch spätestens mit dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor im Dezember 1941 und dem folgenden Kriegseintritt der USA änderte sich die Situation. Auch propagandistisch. Jetzt kam es darauf an, »to help sell the war to the American people«, wie es in »Five Came Back« heißt, gerade mit den Mitteln des Films. Die beeindruckende und berührende Miniserie verfolgt die Lebenswege von fünf Hollywoodregisseuren, John Ford, Frank Capra, George Stevens, John Huston und William Wyler, die ihre Karriere, zumindest zeitweilig, aufgegeben haben, um den Krieg gegen Nazideutschland und das japanische Kaiserreich zu dokumentieren und zu unterstützen. Freiwillig. Statements gibt es von den Regisseuren Steven Spielberg, Francis Ford Coppola, Guillermo del Toro, Paul Greengrass und Lawrence Kasdan, die weniger als Interviewpartner denn als Erzähler fungieren.

Der einflussreichste der fünf war sicherlich Frank Capra, der schon vier Tage nach dem Überfall auf Pearl Harbor in die Army eintrat und die siebenteilige »Why We Fight«-Serie verantwortet. In einer ihrer Folgen gibt es ein groteskes Zukunftsszenario in Form einer Karte: Die Deutschen und die Japaner haben den amerikanischen Kontinent besetzt – diese Idee hat nicht erst Philip K. Dick mit »The Man in the High Castle« in die Welt gesetzt. John Ford war drei Jahre lang Chef der Field Photographic Branch der U. S. Navy, 1942 haben seine Kameraleute »The Battle of Midway« gefilmt, ein 18-Minüter, der auch heute noch beeindruckt, weil er immer bei den einfachen Soldaten bleibt. William Wyler drehte 1943 im Auftrag des US-Army-Air-Corps »Memphis Belle: A Story of a Flying Fortress«, den letzten Feindflug eines Bombers nach Wilhelmshaven. Es sollte zwar bis 1944 (bis »With the Marines at Taratawa« von Louis Hayward) dauern, bis auch ein getöteter GI ins Bild kommt, aber der Schluss von Memphis Belle besteht aus dem Warten auf die Heimkehr der Bomberflotte. Und nicht jedes Flugzeug kommt zurück. John Huston drehte 1943 »Die Schlacht von San Pietro« (die er komplett nachinszenierte). Hier ist ebenfalls von den Opfern, die dieser Krieg auch kostete, die Rede; die Army hat den Film erst zwei Jahre später veröffentlicht. Dieses Schicksal traf auch Hustons »Let There Be Light« (1946), der die Behandlung traumatisierter Soldaten in einem psychiatrischen Krankenhaus zum Thema hat. Der Film konnte erst drei Jahrzehnte später aufgeführt werden.

Sicherlich gibt es in diesen Filmen, von denen Netflix parallel zur Miniserie zwölf einstellt (viele gibt es allerdings auf YouTube), einen gewissen Heroismus, aber sie zeigen immer auch, dass Krieg Arbeit ist, schmutzige Arbeit. George Stevens, der vor dem Krieg ein Spezialist für leichte Unterhaltung war, ist der Regisseur, der am häufigsten im Bild ist. Er ging 1943 zur Armee und hat den ganzen Vormarsch der Alliierten im Bild festgehalten. Er war, wie John Ford, bei der Landung der Alliierten in der Normandie dabei. 4 000 alliierte Soldaten sind allein am ersten Tag gestorben, man sieht bislang unveröffentlichtes Material vom Sterben am Strand. John Ford soll sich danach drei Tage betrunken und den Dienst quittiert haben. Stevens' Einheit hat auch die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau gefilmt; seine Soldaten haben tagelang Briefe geschrieben, die Sterbende ihnen diktiert haben. Das Filmmaterial ist in den Film »Nazi Concentration Camps« geflossen, der vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal gezeigt wurde.

 

 

Stream (Netflix ab 31.3.)

195 Min. (3 Episoden)

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