Kritik zu Ein Talent fürs Morden
Anton Corbijn inszeniert spannungsreich und effektvoll eine Geschichte um Patricia Highsmith (Helen Mirren) und ihre berühmte Figur Tom Ripley.
Ripley und kein Ende. René Clément (1960), Anthony Minghella (1999) und Steven Zaillian (2024) haben Patricia Highsmiths berühmte Krimifigur Tom Ripley kunstvoll ins Kino respektive auf die Streamingplattform von Netflix gebracht. Anton Corbijn geht mit »Ein Talent fürs Morden« einen anderen Weg. Der 71-jährige niederländische Fotograf und Regisseur inszeniert eine Ripley-Erzählung ohne Ripley. Schauplatz der Handlung ist die Schweiz 1995, wo Highsmith (Helen Mirren) zurückgezogen in einem Chalet lebt. Der junge amerikanische Lektor Edward Ridgeway (Alden Ehrenreich) reist im Auftrag seines Verlags an, um sie zu einem sechsten Ripley-Roman zu überreden. Das fiktive Treffen entwickelt sich zu einem Psychoduell zwischen Lektor und Autorin und zu einem Film im Film – Kopfkino –, wenn Fantasie und Wirklichkeit miteinander verschmelzen. Mirren verkörpert Patricia Highsmith (1921–1995) mit knurriger Grandezza (»Ich bin ein Genie«) und wohldosierter Grausamkeit. Sie beglaubigt – nie ohne Zigarette und selten ohne hochprozentigen Drink – nachvollziehbar eine Einschätzung der Schweizer Nachbarschaft: »Sie mag keine Menschen.« An einer Schreibblockade leidend, stellt sie ihrem Gast eine Bedingung für den neuen Roman. Gemeinsam würden sie den perfekten Mord erfinden. Das setzt den linkischen Edward unter Druck, stößt aber auch eine Verwandlung an: Ridgeway wird zu Ripley.
Mirren und Ehrenreich begegnen sich darstellerisch auf Augenhöhe, steigern hitchcockhaft die musikalisch effektvoll begleitete Spannung. Sie entführen das Publikum in eine von Robbie Ryans Kamera meisterhaft erschaffene Welt zwischen Realität, Alptraum und literarischer Imagination. Corbijn verneigt sich auch anspielungsreich vor großen Vorbildern. Er zitiert Hitchcocks »Der Fremde im Zug«, wenn Edward die reiche Erbin Clementine Balfour (Olivia Cooke) kennenlernt: der Beginn einer beider Leben verändernden Leidenschaft. Highsmith hätte dieser Stoff gefallen.









Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns