Kritik zu Drei Kameradinnen
Milena Aboyans Film rollt das Leben dreier Freundinnen auf, nachdem eine von ihnen verdächtigt wird, einen Brandanschlag verübt zu haben.
Gleich zu Beginn spricht Protagonistin und Erzählerin Kasih (Bayan Layla) eine Art Warnung aus, die man beim Schauen des Films im Hinterkopf behalten sollte: »Ich bin mir nicht mal sicher, ob diese Bilder real sind.« Vielleicht seien es nur Produkte ihrer Fantasie, Träumeoder Wunschvorstellungen. Etwas später fügt sie hinzu, die Geschichte, die sie erzähle, sei eine ohne Anfang und Ende. Vielmehr berichte sie von einem »immer wiederkehrenden Zustand«. Im Zentrum dieser Geschichte stehen die Kindheitsfreundinnen Saya (Manal Raga a Sabit), Hani (Brikena Ray) und Kasih selbst.
Die Handlung basiert auf der Romanvorlage der kürzlich mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Shida Bazyar: Die drei jungen Frauen treffen sich in dem Wohnblock wieder, in dem sie aufgewachsen sind, um die Hochzeit einer Bekannten zu feiern. Doch als ein Wohnhaus in der Nähe niederbrennt, wird plötzlich Saya verdächtigt. Bald schon ruft eine Reporterin Kasih an, um mehr über Saya zu erfahren, und ein Chor von Stimmen, der als Splitscreen visuell wie auch akustisch zeitgleich in Erscheinung tritt, gibt seine Meinung über Saya kund, klagt sie quasi an: Der Begriff »islamistische Radikalisierung« fällt, und es wird klar: Deutschland hat ein Rassismusproblem.
Wie Bazyars Text ist auch der Film episodisch erzählt. Er springt zwischen dem Jetzt, in dem Kasih einem Fernsehsender ein Interview über Saya gibt, während diese in Haft sitzt, und Sequenzen aus der Vergangenheit – und er springt zwischen dem »Fall Saya M.« und dem Prozess einer rechtsextremen Mordserie. Regisseurin Milena Aboyan übersetzt den Kampf um die Deutungshoheit geschickt vom Schreibtisch der Protagonistin in der literarischen Vorlage ins TV-Studio ihrer filmischen Adaption. »Ich kann nicht zulassen, dass aus Saya etwas gemacht wird, was sie nicht ist«, erklärt Kasih ihre Motivation, mit der Reporterin zu sprechen.
Das Sprunghafte funktioniert, wenn einzelne Episoden länger erzählt und nicht groß kommentiert werden. Einige Szenen scheinen allerdings mehr der Bebilderung von Kasihs Voiceover zu dienen. Auf diese narrativen Doppelungen hätte der Film, der ohnehin zum Auserzählen tendiert, verzichten können. Auch die mitreißende elektronische Musik von Alexander Wolf David, die oft Tempo und Dramatik vorgibt, bräuchte es für die Intensität der Erzählung eigentlich nicht. Die Protagonistinnen sprechen immer wieder direkt in die Kamera und adressieren das Publikum: »Ich bin nicht das Mädchen, das ihr euch angucken könnt, um mitleidig zu erklären, ihr hättet euch mit uns beschäftigt, und das sei ja alles so dramatisch, aber auch so bewundernswert«, stellt Kasih klar. Die Balance zwischen diesen metatextuellen Einschüben, den Exkursen in die Kindheit und Jugend der Freundinnen und Sayas Verhaftung im Jetzt glückt nicht immer.
Jedoch gelingt es Aboyan schließlich eindrucksvoll, alle Ebenen zusammenzubringen und innerhalb kürzester Zeit aufzulösen beziehungsweise infrage zu stellen. Das Ende des Films kehrt damit an seinen Anfang zurück – dies ist eben keine Geschichte mit Anfang und Ende, sondern ein »immer wiederkehrender Zustand«.









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