DVD-Tipp: »Der dunkle Kristall« (1982) & »Die Reise ins Labyrinth« (1986)
© Plaion
Neu zu entdecken: zwei Fantasyfilme von Jim Henson mit üppigem Bonusmaterial.
Angesichts des großen Erfolges der beiden Trilogien, die Peter Jackson nach den literarischen Vorlagen von J. R. R. Tolkien fertigte, könnte man leicht vergessen, dass das Genre des Fantasyfilms nicht von ihm erfunden wurde, sondern von Anfang an zur Filmgeschichte dazugehörte und bereits in den achtziger Jahren eine Blüte erlebte, als ernsthaftes Epos (John Boormans »Excalibur«), als Muskelmännerfilm (John Milius’ »Conan der Barbar«) oder als Animationsfilm (Ralph Bakshis »Feuer und Eis«). Dazu gehören auch die beiden Filme des 1990 früh verstorbenen Jim Henson, bekannt geworden als Erfinder der »Muppet Show«. »Der dunkle Kristall« (1981) und »Die Reise ins Labyrinth« (1986) sind ungewöhnlich, weil sie mit Puppen arbeiten, im ersten Fall ausschließlich, im zweiten in Kombination mit menschlichen Darstellern.
Die erst später sich durchsetzende Computertechnik lässt diese Filme im Rückblick noch singulärer erscheinen als seinerzeit – »Muppets«-Fans dürften sich damals schwergetan haben mit der eher düsteren Geschichte, die »Der dunkle Kristall« erzählt, während die Bösen des Films, die vogelartigen Skekse, bei jüngeren Zuschauern durchaus Alpträume ausgelöst haben könnten.
Die Geschichten beider Filme vertrauen auf den zentralen Topos der Gattung, die quest: Eine Mission, auf die der junge Protagonist geschickt wird, um sein Volk (oder noch mehr) zu retten, und in deren Verlauf er erwachsen wird, nicht zuletzt durch die Begegnung mit vielen fremdartigen Wesen. Held in »Der dunkle Kristall« ist der Elfling Jen, von menschenähnlicher Gestalt und mit den spitzen Ohren, die man von den Hobbits aus Tolkiens Romanen kennt, der nach dem Tod seiner Eltern von den freundlichen Urus großgezogen wurde. In »Die Reise ins Labyrinth« ist es die junge Sarah, die sich dazu hinreißen ließ, ihren kleinen Bruder, auf den sie – in Abwesenheit von Vater und Stiefmutter – achtgeben soll, ins Reich der Kobolde zu (ver-)wünschen. Gesagt, getan: Schon schwebt der König der Kobolde durchs Fenster in ihre Dachstube – wie ein Vampir und mit ähnlichen Verführungskräften ausgestattet. Verkörpert wird er passenderweise von David Bowie, der auch eine Reihe von Songs beisteuerte. Das gibt dem Film eine gewisse Leichtigkeit, weit entfernt von der Düsternis des »Dunklen Kristalls«. Auch gibt es hier mehr komisch akzentuierte Charaktere, mit denen Jim Henson offenbar auch den »Muppets«-Fans eine Freude bereiten wollte. Dass der Film im wahrsten Sinne des Wortes eine »schräge« Qualität hat (eine Szene im Labyrinth ist von den Zeichnungen M. C. Eschers inspiriert), dürfte auch dem Drehbuch zu verdanken sein, für das das Monty- Python-Mitglied Terry Jones verantwortlich zeichnet. Als Sarah überzeugt die damals erst 14-jährige Jennifer Connelly – ein Fundstück im Bonusmaterial sind die fast einstündigen Probeaufnahmen, bei denen auch mehrere später bekannt gewordene Schauspielerinnen zu erleben sind.
Die jetzt erschienenen Neuausgaben beider Werke präsentieren die Filme im Steelbook auf Blu-ray und auf UHD. Eine Bonus-Blu-ray bietet über drei (»Kristall«) bzw. über fünf (»Labyrinth«) Stunden Bonusmaterial, wovon einiges zum ersten Mal in Deutschland veröffentlicht wird. Zeitlich reicht die Palette von den ersten HE-Veröffentlichungen bis in das Jahr 2024, Letzteres mit sogenannten »Fan-Events«, bei denen die Kinder von Jim Henson (die damals an den Filmen mitarbeiteten und heute dessen Firma bzw. Stiftung leiten) Auskunft geben. Dabei erfährt man zahlreiche Details, das gilt auch für die umfangreichen Dokumentationen und ebenso für die (deutsch untertitelten) Audiokommentare zu beiden Filmen, eingesprochen von dem britischen Konzeptkünstler Brian Froud, dessen Zeichnungen die erste visuelle Vorstellung von den Figuren und vom Design bildeten.
|
VÖ: 25. Juni 2026 |
|
|
VÖ: 25. Juni 2026 |





Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns