Nachruf: Tim Curry

19.4.1946 – 25.8.2026

König Arthur ist das Zentrum von »Monty Python and the Holy Grail«: Er strahlt seine ganz eigene Würde aus inmitten der ganzen silliness von Kokosnuss-Pferdeersatz, Rittern, die immer »Ni« sagen, und Killerkarnickeln. Es passt, dass 2005/06 in der Broadway- und in der West-End-Musicaladaption »Spamalot« Tim Curry diesen royalen Part spielte – ebenfalls mit Gravitas, aber gepaart mit der Exaltiertheit seiner Rollengeschichte. Denn 1975 wurde er als Dr. Frank-N-Furter in der »Rocky Horror Picture Show« weltweit zum Mittelpunkt eines Kultes, wie ihn die Filmgeschichte kaum je wieder hervorbringen wird. »Don't dream it. Be it!«, singt er in unwiderstehlicher Reizwäsche, und alle schmelzen dahin, Mann, Frau und alles dazwischen. Frank-N-Furter ist provokativ verführerisch, und Tim Curry geht voll auf in dieser faszinierenden Mischung aus Trash und Camp und Glam, aus Exzentrik und Exhibitionismus, als Musical wie Film ein Sammelbecken für das Strandgut der Popgeschichte. »Allerdings – und das ist wichtig – war das emotionale Zentrum von Rocky Horror nicht sein Schöpfer Richard O'Brien, sondern Tim Curry«, schreiben J. Hoberman und Jonathan Rosenbaum in ihrem erstmals 1983 erschienenen Handbuch zum Mitternachtskino über die Figur im Mittelpunkt. Curry und O'Brien hatten sich Ende der 1960er in der Londoner Bühnenproduktion von »Hair« kennengelernt; O'Brien schrieb seinen transvestitischen und -sylvanischen Mad Scientist dem Kollegen Curry auf den Leib. Der Londoner Erfolg seines Bühnenmusicals führte alsbald zu amerikanischen Inszenierungen – immer mit Curry in der Hau(p)trolle –, schließlich zum Film, der sein ganz eigenes Fantum hervorbrachte; das Werfen von Reis und Entzünden von Knicklichtern ist wenig gegen die ausgefeilte Choreografie von Zwischenrufen und Dialogergänzungen, die sich im Lauf der Zeit entwickelt hat.

Ende der 1970er legte Curry einige Rockmusikplatten vor; er arbeitete als Charakterdarsteller in Theater und Film, etwa unter schwerem Make-up als Herr der Finsternis in Ridley Scotts »Legende« oder als Butler (und Master of Ceremonies) in der Cluedo-Komödie »Alle Mörder sind schon da«. 1990 dann die zweite ikonische Rolle: Pennywise, der Clown. Die etwas zu glupschigen Augen, die etwas zu dicken Backen, der etwas zu große Mund von Curry sind die idealen Voraussetzungen für diesen Killerclown in der zweiteiligen TV-Verfilmung von Stephen Kings »Es«. Der Clown, der statt Spaß Schrecken verbreitet, wurde zur zweiten Curry-Figur, die sich tief im popkulturellen Gedächtnis verankern konnte: die dunkle Seite von Ronald McDonald.

Dass Curry neben einer charismatischen Erscheinung auch über eine prägnante Stimme verfügte und gern für Sprechrollen besetzt wurde, lässt sich in der dialogsynchronisierten deutschen Filmkultur nicht wirklich nachvollziehen. Immerhin aber ist »The Rocky Horror Picture Show« nicht mit einer deutschen Dialogspur versehen worden. Seit Jahrzehnten läuft in den Museum-Lichtspielen München wochenends dieser ewig gültige Kultfilm. Der Fanatismus des Publikums ist auch hier gut verwurzelt. »I'm just a sweet transvestite from transsexual Transylvania.«

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