Kritik zu A Sad and Beautiful World

© Neue Visionen

2025
Original-Titel: 
Nujum al'amal w al'alam
Filmstart in Deutschland: 
20.08.2026
L: 
110 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Poetisch erzählt Regisseur Cyril Aris von einer schmerzvollen Beziehung in einem Land im permanenten Ausnahmezustand.

Bewertung: 4
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Es gibt Länder und Regionen im permanenten Ausnahmezustand, in denen Krieg und damit einhergehende Unsicherheiten, Gefahren und wirtschaftliche Instabilitäten den Alltag bestimmen. Mal sehr subtil, mal ganz unmittelbar begleitet und bestimmt der Krieg das Leben der Menschen, so wie im Libanon. Vor diesem Hintergrund erzählt der Regisseur und Drehbuchautor Cyril Aris seine schmerzhafte Liebesgeschichte voller Magie, Poesie und unausweichlicher Grausamkeit.

In einer Bombennacht kommen Nino (Hasan Akil) und Yasmina (Mounia Akl) nur wenige Minuten hintereinander in einem Beiruter Krankenhaus zur Welt – und schon da ahnt das Publikum, dass ihre Schicksale untrennbar miteinander verwoben sein werden. Jahre später treffen sie sich zufällig, nachdem Nino mit seinem Auto in die Fensterfront des Büros von Yasminas Mutter gefahren ist. Daraufhin lädt Nino die ganze Familie in sein modern-unkonventionelles Restaurant ein. Es wird laut, chaotisch, es kommt zum Streit zwischen der Familie und dem ambitionierten Fusion-Koch – und Nino und Yasmina erkennen sich. Es ist ein Beginn wie in einer turbulenten Hollywood- Liebeskomödie.

Doch schon wenig später ziehen die ersten Wolken auf in der Beziehung des lebenslustigen, unverbesserlichen Optimisten Nino und der pragmatisch-sachlichen Yasmina. Sie will keine Kinder in diese grausame Welt setzen und ist traumatisiert von der schmerzhaften Trennung ihrer Eltern während ihrer Kindheit. Nino ist mit seiner Verspieltheit seinem Trauma entkommen: Seine Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen, als er noch ein kleiner Junge war. Seitdem stellt er sich vor, dass die beiden auf einer einsamen Insel auf ihn warten. Diese Insel hat etwas Paradiesisches, Erlösendes und wird in kitschiger Anmutung zum spirituellen, heilenden Motiv von Yasmina und Nino. Denn Nino hat Yasmina schon in der Grundschule davon erzählt, wie das Publikum in Rückblicken erfährt.

Collagenhaft und mit Zeitsprüngen folgt Cyril Aris dieser Liebe zweier so unterschiedlicher Menschen, die das Schicksal auf magische Weise verbindet. Dafür findet er eindrückliche Bilder, mal von eleganter Schönheit, mal von verspielter Fantasie. Es sind Bilder, die die Geschichte erzählen, Emotionen transportieren, die Figuren beschreiben. Nach einem Streit reden Yasmina und Nino durch die verschlossene Badezimmertür. Nur jeweils ein Auge ist von ihnen zu sehen, mit dem sie durch das Schlüsselloch blicken. In einer anderen Szene ist Yasmina in der modernen Wohnung ihrer Mutter, spricht mit der inzwischen geborenen Tochter. Die Hälfte des Bildes ist von einer schlichten Wand verdeckt, die sie vom Publikum, vielleicht auch von ihrer Tochter und Nino trennt.

Der Titel sagt es: Dieser Film erzählt eine wunderschöne und eine todtraurige Geschichte in einer beängstigenden Welt, in der es die Liebe oft schwer hat. So wird »A Sad and Beautiful World« auch zu einer universellen Geschichte. Angesichts der aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen im Libanon ist das ein wenig befremdlich, aber nicht weniger wahr.

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