Kritik zu Wise Women – Fünf Hebammen, fünf Kulturen

© Mindjazz Pictures

2026
Original-Titel: 
Wise Women – Fünf Hebammen, fünf Kulturen
Filmstart in Deutschland: 
09.07.2026
L: 
92 Min
FSK: 
12
Bewertung: 3
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Als Kanchan Mala Shrestha in einem Klassenraum im ländlichen Nepal zur Ansicht Kondompäckchen durch die Reihen gehen lässt, verursacht das bei den (gemischtgeschlechtlichen) Zehntklässlern Kichern und Peinlichkeit wie andernorts auf dem Erdball. Auch dieser Unterricht gehört zum Arbeitsgebiet der Hilfskrankenschwester und Hebamme, die nach ihrer Ausbildung in Indien im Health Post ihres Heimatdorfes angestellt ist und neben der Lehre »temporärer Verhütungsmethoden« in der Hauptsache Schwangere und junge Mütter behandelt und berät.

Genet Gebru im nordäthiopischen Tigray scheint fast noch im Alter von Kanchans Eleven, also nicht gerade eine »wise woman«. Doch sie hat Verantwortung für eine ganze Station eines Gesundheitszentrums, zu dem Gebärende auch aus dem Umland kommen. Ihre marokkanische Kollegin Hajja Aïcha El Fathi hat in Casablanca ihr eigenes »Maison de Naissance« gegründet, wo sie werdende Mütter und ihre Familien betreut – und nur bei Komplikationen in ein Krankenhaus weiterleiten muss. Und auch Sheila Santos in Rio de Janeiro arbeitet in einem Geburtshaus und betreut im Film eine von ihrer Mutter begleitete Teenagerin, die unter dem Eindruck akuter Schmerzen kurzfristig von der Favorisierung einer »natürlichen« Geburt in Richtung Kaiserschnitt umschwenken will. Bei einer schwierigen Hausgeburt der selbstständigen niederösterreichischen Hebamme Gunda Gutscher lassen sich solche Wehenschmerzen ausgiebig – hier samt stützendem und mitleidendem Partner – durchleben.

Dabei zeigt die Kamera diese und andere der vielen Geburten im Film nicht in direkter Ansicht, sondern vermittelt über den Blick auf zärtlich-kräftige Handreichungen und aufmerksam zugewandte Gesten und Gesichter. Auch einige schwere Situationen, bei denen die Reise der Neugeborenen ins Erdenleben zu schnell im Tod endet, werden indirekt aus der Reaktion der beteiligten Hebammen erzählt: Momente nachdenklichen Innehaltens. Alle Professionellen betonen in aus dem Off zu hörenden Erläuterungen ihre Leidenschaft für das Gelingen dieser bedeutsamen und kritischen Momente im Leben von Kindern und Müttern – und deren Stärkung. Bittere Nebenwirkung dieser großen Verantwortung kann auch die von Kanchan Mala berichtete Tatsache sein, wegen ihres energie- und zeitraubenden Berufs zu wenig Zeit für die eigenen Kinder gehabt zu haben.

Als Spin-off des Genres »Arztserie« erlebt der Beruf der Hebamme gerade auch im deutschen Fernsehen mit der zweiten Staffel der ZDF-Serie »Push« eine neue Blüte (jenseits von Lena Lorenz-Schmonzes), in der neben serienüblichen Verwicklungen auch das Berliner Gesundheitssystem eine wenig rühmliche Nebenrolle spielt. Leider kommen solch institutionelle und gesellschaftliche Kontexte wie auch die unterschiedliche Ausformung der Geburtshilfe in den einzelnen Kulturen zwischen den vielen konkreten Geburtssituationen kaum vor – mit erwartbarem naturalisierenden Effekt. So ist Schergs Film vor allem die Würdigung eines Berufsstands, der Frauen weltweit eine Möglichkeit zur verantwortlichen Mitgestaltung bietet.

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