Amazon: »Scarpetta«

»Scarpetta« (Staffel 1, 2026). © Amazon Content Services LLC

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Nicole Kidman schlüpft in die Rolle der aus einer ­Romanreihe bekannten Gerichtsmedizinerin Dr. Kay Scarpetta und wird mit einem Fall aus ihrer Vergangenheit konfrontiert

Bereits seit 1990 ist die erfolgreiche Gerichtsmedizinerin Dr. Kay Scarpetta im Einsatz, in mittlerweile 29 Romanen der US-amerikanischen Bestseller-Autorin Patricia Cornwell. Immer wieder gab es Bestrebungen in Hollywood, die Figur auch auf die Leinwand zu bringen, zunächst bereits nach ein paar Büchern in Gestalt von Demi Moore, später war Angelina Jolie im Gespräch. Gedauert hat die Umsetzung am Ende eine ganze Weile länger, und statt als Kinofilm kommt »Scarpetta« nun in Serienform daher.

Gleich zu Beginn der ersten Staffel (eine zweite ist längst bestellt) kehrt die gleichermaßen kluge wie unterkühlte und immer ehrgeizige Titelheldin (Nicole Kidman) zurück an ihre alte Wirkungsstätte. Nach langen Jahren in anderen Bundesstaaten wird sie erneut leitende Gerichtsmedizinerin in Virginia, wo ihr der erste Fall schon alles abverlangt. Denn nach dem Fund einer gefesselten und verstümmelten Frauenleiche gibt es weitere Tote, was den Verdacht einer Serientat nahelegt. Darüber hinaus erinnern allerlei Details auf unbehagliche Weise an einen von Scarpettas ersten großen Fällen in den 1990er Jahren, sodass die Frage im Raum steht, ob damals womöglich der falsche Mann verhaftet wurde.

Showrunnerin Liz Sarnoff hat sich entschlossen, die unnötigerweise auf zwei Cornwell-Büchern basierende Geschichte parallel auf zwei Zeitebenen zu erzählen und dafür jede Schlüsselrolle von unterschiedlichen Schauspieler*innen verkörpern zu lassen. Das ist prinzipiell begrüßenswert, denn wenig ist peinlicher als unglaubwürdiges Alters-Make-up oder digitale Verjüngungsmethoden; selbst eine Ausnahmeschauspielerin wie Nicole Kidman kann kaum stimmig 30 Jahre überbrücken – und Rosy McEwen als junge Scarpetta ist sogar das Highlight dieser Serie. Fürs Publikum mitunter verwirrend ist Sarnoffs umständliches Konzept allerdings trotzdem, zumal wenn man nicht durch die Vorlage hinreichend vertraut ist mit biografischen Details und vor allem der Verwandtschaft Scarpettas.

Denn beinahe so sehr wie eine Thrillerserie ist »Scarpetta« auch eine Familien-Soap. Da gerät Kays Ehe mit FBI-Agent Benton (Simon Baker) auf den Prüfstand; da liegt sie im Dauerzank mit der höchst gegensätzlichen Schwester Dorothy (Jamie Lee Curtis, hier auch als Produzentin verantwortlich und schauspielerisch weiter in ihrer »manischen« Phase), die inzwischen mit Kays Ex-Mitarbeiter Pete (Bobby Cannavale) verheiratet ist; und da trauert Nichte und Ziehtochter Lucy (Ariana DeBose) um ihre Ehefrau.

Schrille Anflüge von Humor prallen hier auf grausige Obduktionsdetails, ernsthaft beobachtete Fälle von Misogynie im Jobkontext stehen neben banalsten Trauma-Analysen, und obendrauf gibt's Hightech-Handlungsstränge wie aus »Black Mirror« – genannt seien Lucys als KI wiederbelebte Gattin Janet oder im Weltall hergestellte Körperteile aus dem 3D-Drucker. Glaubwürdig wäre »Scarpetta« allerdings auch ohne Letzteres nicht, dank überfrachteter Figurenzeichnung und unrealistischer Arbeitsplatzkonstellationen. Immerhin: Wertiger kann Prestige-Trash kaum sein.

OV-Trailer

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