Ganz eigene Akzente – epd Film Newsletter 19.09.2024

Ganz eigene Akzente

Nadia Tereszkiewicz: ein schwierig zu schreibender Name, aber man sollte ihn sich merken. Mit Filmen wie »Forever Young« und »Mein fabelhaftes Verbrechen« hat sie sich bereits ein kleines Star-Image aufgebaut, das Birgit Roschy in unserer »Nahaufnahme« genauer unter die Lupe nimmt. Die Stärke von Tereszkiewicz bestehe darin, dass sie einerseits klassisch-weibliches Sex-Appeal verströme und gleichzeitig Klischees geschickt unterwandere.

Ihr aktueller Film »Rosalie« - nach einer wahren Begebenheit - setzt in dieser Hinsicht noch einmal einen ganz besonderen Akzent. Sie spielt darin eine Frau, die im 19. Jahrhundert unter ungewöhnlich starker Körperbehaarung leidet und beginnt, diese nicht mehr zu verstecken, sondern selbstbewusst zur Schau zu stellen.

In Köln beginnt unterdessen heute das Afrika Film Festival. Waren Filme aus Afrika lange wenig beachtet, bekommen sie langsam mehr Sichtbarkeit und setzen mit neuem Selbstbewusstsein ihre ganz eigenen Themen. Fradique Bastos, Kurator in Köln, hat mit Maxi Braun über das diesjährige Festival und die Entwicklungen des afrikanischen Films gesprochen.

von: 
In »Forever Young« war sie eine naive Jung­schauspielerin, in »Mein fabelhaftes Verbrechen« ein platinblondes Starlet. Und sowieso sind da diese Bardot-Vibes.

Interview: Fradique Bastos über Filme aus Afrika

Filme aus Afrika werden sichtbarer, auf Festivals, im Kino. Das liegt auch am wachsenden Selbstbewusstsein der Regisseure und Regisseurinnen. Fradique Bastos, Kurator in Köln, über ein Kino, das seine eigenen Geschichten erzählt – und sich nicht mehr erklären muss.
Filme der Woche: 

Rosalie

Basierend auf einem wahren Fall zeichnet Regisseurin Stéphanie Di Giusto das Porträt einer Frau mit starker Körperbehaarung, die der Gesellschaft ihrer Zeit die Stirn bietet. Unkonventionelles, aber am Ende dann doch eher zahmes Historiendrama.

Favoriten

Rund drei Jahre lang hat Dokumentarfilmerin Ruth Beckermann eine Wiener Grundschulklasse begleitet. Herausgekommen ist ein so differenzierter wie hoffnungsvoller Blick in eine diverse, durch eine engagierte Lehrerin zusammengeschweißte Schulklasse.

Jenseits von Schuld

Die sensible Annäherung jenseits reißerischer True Crime-Formate gibt einen seltenen Einblick in die Gefühlswelt der trauernden Eltern eines Mörders, wäre aufgrund der filmischen Form auf dem TV-Bildschirm besser aufgehoben als im Kino.

Samia

Berührendes Drama um die somalische Läuferin Samia Yussuf Omar, die 2008 bei Olympia antrat und 2012 im Mittelmeer ertrank. Dabei stehen sich Realismus und sentimentale Überhöhung gegenüber, während die Rekonstruktion der Ereignisse teilweise Lücken aufweist.

The Substance

Blutige Body-Horror-Satire über den Sexismus und Jugendwahn der ­Unterhaltungsbranche, die mit Starbesetzung, grellen Schockeffekten und lautem Getöse aufwartet, in ihrer Kritik aber merkwürdig substanzlos bleibt.