Schrecken im Weltall – Newsletter 15.08.202

Schrecken im Weltall

»Völlig losgelöst von der Erde«, schallte Peter Schillings Evergreen »Major Tom« von 1982 während der Fußball-EM im Sommer durch die deutschen Stadien.

Völlig schwerelos treibt (zumindest zeitweise) auch eine Gruppe junger Abenteurer durch die düsteren Gänge der verlassenen Raumstation Romulus, verfolgt von spinnenartigen Parasiten, die ihre Körper als Wirte nutzen möchten für das unheimlichste Wesen im All: den Xenomorph. »Alien: Romulus« ist zeitlich zwischen »Alien« von 1979 und »Aliens« von 1986 angesiedelt und eine würdige Verbeugung vor Ridley Scotts Original. 

Astronomisch angehaucht, aber wesentlich unblutiger geht es in »Gagarine« zu: Der Jugendliche Youri ist nach dem berühmten sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin benannt – ebenso wie die Sozialbausiedlung nahe Paris, in der er lebt. Der Hochhauskomplex ist das Zuhause vieler Kulturen und Youris geliebte Heimat. Doch die in die Jahre gekommene Siedlung soll weichen. Mit Witz und Fantasie stemmt sich Youri gegen den Abriss. Unsere Kritikerin Maxi Braun attestiert dem Film eine »liebevolle Verspieltheit« und »gut dosierten magischen Realismus«.

Ein gänzlich auf der Erde spielendes Drama, das diese Woche im Kino startet, ist »Goodbye Julia«. Sudan, 2005: Mona und ihr Mann Akram sind wohlhabende Muslime. Nach einem Zwischenfall erschießt Akram im Affekt einen Angehörigen der christlichen Minderheit. Aus schlechtem Gewissen stellt Mona Julia, die Ehefrau des Opfers, als Hausangestellte ein. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft. Der Film wurde von der Evangelischen Filmjury als »Film des Monats August 2024« ausgezeichnet, »weil er trotz vieler Widrigkeiten für Humanität, Barmherzigkeit und Versöhnung Zeichen setzt«, begründet die Jury. 

Filme der Woche: 

Gagarin – Einmal schwerelos und zurück

Dem Spielfilmdebüt gelingt eine der seltenen positiven Geschichten aus Sicht der jungen Banlieue-Generation, ohne die Probleme zu verschleiern. Der authentische Charme und eine gute Portion magischer Realismus ergeben ein verspieltes und mitreißendes Kinomärchen.

Goodbye Julia

Mona nimmt die aus dem Süden des Sudans stammende Julia als Dienstmädchen bei sich auf, weil sie für den Tod ihres Mannes mitverantwortlich ist. Mohamed Kordofani erzählt eine sozialrealistische Parabel, in der sich das Politische des kulturell und religiös gespaltenen nordostafkrikanischen Landes im Privaten spiegelt.

Alien: Romulus

Die »Alien«-Saga ist ziemlich in die Jahre gekommen: So einfach ist es nicht mehr, sich das Publikum zur Beute zu nehmen. Fede Alvarez und sein Co-Autor Rodo Sayagues versuchen es dennoch. Das kardinale Problem des Franchise, dass die gefährlichste Kreatur des Universums als vertrauter Anblick ihren Schrecken verloren hat, lösen sie nicht.

Dìdi

Inspiriert von seiner eigenen Jugend erzählt der taiwanesisch-stämmige Amerikaner Sean Wang mit »Dìdi« aus dem Leben eines 13-jährigen, das gleichzeitig ziemlich gewöhnlich und dann doch wieder sehr besonders ist. Unaufgeregt, wahrhaftig und gefühlvoll lässt der Regisseur und Drehbuchautor nicht nur die Nullerjahre wieder auferstehen, sondern inszeniert auch ein sehenswertes Ensemble rund um den jungen Izaac Wang (»Good Boys«) und »Twin Peaks«-Ikone Joan Chen. In Sundance gab es dafür gleich mehrere Preise, und dass Wang in Hollywood eine große Zukunft hat, scheint ausgemachte Sache.