Venedig: Von allem das Beste

»Madres paralelas« (2021)

»Madres paralelas« (2021)

Am Mittwoch beginnt das 78. Filmfestival von Venedig – mit so vielen attraktiven Titeln im Programm, dass die Last der Anti-Corona-Maßnahmen schnell vergessen ist. Das Festival endet am 11. September mit der Vergabe des Goldenen Löwen

Im vergangenen Jahr sah sich das Filmfestival von Venedig, 1932 gegründet und das älteste seiner Art, aus der Rolle der Traditionsbewahrerin plötzlich in die der Avantgardistin gestoßen. Ausgerechnet am Lido musste neu erfunden werden, wie man die Begegnung von Filmen und ihren Stars mit dem Publikum und den Medien im Zeichen von Corona neu organisiert. Mit Maskenpflicht, 50-Prozent-Auslastung in den Kinos, einem vor Schaulustigen abgeschirmten Roten Teppich und vielen guten Filmen wurde die 77. Ausgabe der »Mostra« den widrigen Umständen zum Trotz ein voller Erfolg.

Dennoch wünschten sich am Ende wohl die Macher genauso wie das Publikum, dass man 2021 im September zum alten Stil zurückkehren könnte. Statt dessen müssen dieses Jahr die Anti-Corona-Maßnahmen weiter professionalisiert werden: Wo letztes Jahr noch etwas hilflos an den Eingängen per Infrarot-Thermometer die Temperatur der Festivalbesucher gemessen wurde, gilt es jetzt QR-Codes vorzuzeigen: geimpft, genesen oder getestet, nur dann hat man Zutritt. Maskenpflicht und eine maximale 50-Prozent-Auslastung bleiben bestehen.

Das Filmprogramm aber verspricht erneut, die Last der Umstände schnell vergessen zu lassen. Dem Publikum bietet das Festival eine reiche Mischung aus prominent besetzten Titeln, Filmen mit aktueller Thematik und Werken von interessanten Regisseuren. Bestes Beispiel der Film »Spencer«, in dem »Twilight«-Star Kristin Stewart Prinzessin Diane spielt. Inszeniert vom chilenischen Regisseur Pablo Larraín verspricht der Film alles andere als ein herkömmliches Biopic zu werden. Die Veröffentlichung des Plakats, auf dem man ein prächtiges, weißes Kleid mit Goldbordüren und nur dem Rücken von »Di« sieht, erregte viel Aufmerksamkeit in den sozialen Medien, begleitet von der Prognose, dass Stewart damit ihre erste Oscar-Nominierung gewinnen könnte.

Kaum weniger heiß erwartet wird Pedro Almodóvars neuer Film »Madres paralelas« mit Penelope Cruz in einer der Hauptrollen, der zur Eröffnung Premiere feiert. Sehr gespannt ist man auch auf Paul Schraders im Spielermilieu angesiedelten Thriller »The Card Counter« mit Oscar Isaac im Zentrum oder auf Jane Campions im Montana der 1920er Jahre spielenden Western »The Power of the Dog« mit Benedict Cumberbatch und Jesse Plemons als Brüderpaar, das sich mit einer von Kirsten Dunst gespielten Witwe auseinandersetzen muss.

Dunst ist eine der wenigen weiblichen Namen im Programm: Unter den 21 Filmen im Wettbewerb finden sich wieder nur fünf Beiträge von Regisseurinnen (darunter eine Ko-Regie). Immerhin stellt mit Maggie Gyllenhaal eine prominente Schauspielerin ihr Regiedebüt vor: »The Lost Daughter« ist die Verfilmung eines Romans der populären italienischen Schriftstellerin Elena Ferrante, der auf deutsch 2007 unter dem Titel »Die Frau im Dunkeln« erschien. Es spielen unter anderem Olivia Colman und Jessie Buckley.

Chancen auf den Goldenen Löwen werden aber auch dem italienischen Regisseur Paolo Sorrentino zugestanden, der mit »The Hand of God« seinen bislang persönlichsten Film präsentiert, in dem er vom Aufwachsen in »Maradonas Neapel« nach dem plötzlichen Tod seiner Eltern erzählt.

Als Jury-Präsident fungiert der südkoreanische Regisseur und Oscargewinner Bong Joon-ho (»Parasite«). Weitere Mitglieder sind die diesjährige Oscargewinnerin Chloé Zhao (»Nomadland«), der rumänische Dokumentarfilmer Alexander Nanau (»Kollektiv – Korruption tötet«), der italienische Regisseur Saverio Costanzo sowie die Schauspielerinnen Virginie Efira (Belgien), Sarah Gadon (Kanada) sowie Cynthia Eviro (Großbritannien).

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