03/2019

In diesem Heft

Tipp

Der Franzose Jacques Audiard schickt in seinem ersten englischsprachigen Film vier Westernhelden auf die Suche nach ihrer eigenen Identität und einer Zukunft jenseits des Revolverheldendaseins an der »Frontier«
am Fr., 29.03. in Frankfurt am Main – epd Redakteurin Dietmut Roether spricht mit Jan Bonny über seinen Film »Wintermärchen«
Gemälde, Zeichnungen, schräge Skulpturen und eigenartige Experimente: Maastricht zeigt den Filmemacher David Lynch als Universalkünstler
22. bis 31. März, Créteil - 1978 gründete Jacky Buet ein Frauenfilmfestival, um weiblichen Filmschaffenden eine Möglichkeit zu bieten, ihre Filme zu zeigen. Zu den ersten Gewinnerinnen des Hauptpreises gehörten zwei Deutsche, Helma Sanders-Brahms und Margarethe von Trotta. Das Festival zeigt fiktionale und dokumentarische Arbeiten, Kurz- und Langfilme. Ein Rahmenprogramm offeriert unter anderem Filmkurse und thematische Debatten. Auch interessant: Ein festivaleigenes Archiv beherbergt mehr als 10 000 von Frauen inszenierte Filme.
9. bis 17. März, Nürnberg - Kulturvermittlung ist das Steckenpferd des Nürnberger Festivals, das den filmischen Austausch zwischen Deutschland und der Türkei anregen will. Das in der Vergangenheit mehrfach umbenannte Festival geht bereits in die 24. Runde. Sowohl Kurz- als auch Langfilme beider Länder werden gezeigt, Spiel- und Dokumentarfilme gleichermaßen. Im Kurzfilmwettbewerb sind beispielsweise 14 Filme ausgewählt, über die eine fünfköpfige deutsch-türkische Jury urteilen wird. Auch eine österreichische Produktion wurde berücksichtigt
20. bis 25. März, Landshut - Der gemeinnützige Verein Dynamo Kurzfilm e.V. veranstaltet jährlich sein Kurzfilmfestival in Niederbayern. In diesem Jahr gibt es das 20. Jubiläum zu feiern mit gewohnt umfangreichem Programm. Die Gattung Kurzfilm soll dabei in ihrer ganzen Vielfalt zur Geltung kommen. Und so zeigt das Festival fiktionale Beiträge, dokumentarische Arbeiten und Animationsfilme. Unter anderem ist in diesem Jahr mit »Detainment« auch ein Oscar-Kandidat im internationalen Wettbewerb zu sehen
20. bis 24. März, Recklinghausen - Der ökumenische Arbeitskreis Kirche & Kino in Recklinghausen führt seit 2002 monatlich Filme vor und lädt zum Gespräch ein. Eine jüngere Tradition ist das Kirchliche Filmfestival, das in diesem Jahr zum zehnten Mal stattfindet. Das Programm speist sich aus Spiel- und Dokumentarfilmen, die humanistische Themen verhandeln; geladen sind stets auch Filmschaffende und Publizisten
26. bis 31. März, Frankfurt - Seit 2008 hat sich das Lichter Filmfest von einem lokalen Event hin zu einem Publikumsfestival überregionaler Größe entwickelt. Wie immer setzt das Festival einen thematischen Schwerpunkt, dieses Jahr gibt es internationale Filme und Gesprächsrunden rund um den Komplex »Natur«. Zu sehen sind unter anderem die für einen Oscar nominierte Doku »Free Solo« über den Kletterer Alex Honnold, David Nawraths »Atlas« sowie die Deutschlandpremiere des Animationsabenteuers »Die sagenhaften Vier«
13. bis 24. März, Regensburg - Der Arbeitskreis Film, der im Sommer auch die Regensburger Stummfilmwoche veranstaltet, ist der Träger des Kurzfilmfestivals, das in die 25. Ausgabe geht. Aus Tausenden Einreichungen speisen sich die ganz unterschiedlichen Sektionen, zu denen ein internationaler und ein deutscher Wettbewerb gehören, aber auch ein regionaler und lokaler Wettstreit. Ergänzend sind Programme zu sehen, die Gastkuratoren die Chance geben, ihre eigenen Visionen auf die Leinwand zu bringen. Charmant: Jedes Jahr wird auf die Hilfe aus der Regensburger Bevölkerung gebaut, um anreisende Filmschaffende unterzubringen

Thema

Unsere "steile These" des Monats März
In diesem Monat führt Jan Bonnys »Wintermärchen« in das Innere einer dem N.S.U. nachempfundenen Terrorgruppe. Ein Film also, der uns Täter nahebringt, aus ihrer Perspektive erzählt. Das ist heute modisch – aber nicht neu. Georg Seeßlen über den »bösen Blick« in der Filmgeschichte
Als Frau an der Seite von Genie Stephen Hawking in »Die Entdeckung der Unendlichkeit« machte sie die Welt auf sich aufmerksam, in Mimi Leders Film »Die Berufung« darf Felicity Jones als Ruth Bader Ginsburg endlich selbst die Rolle im Mittelpunkt einnehmen
Nichts ist dem Zufall überlassen in den Filmen von Stanley Kubrick, der vor 20 Jahren gestorben ist. Messerscharf sind aber nicht nur seine Bilder, messerscharf ist auch sein Humor. Über Kubricks satirisches Erbe

Meldung

Von der Apokalypse bis zum Einmannkino: die 42. Ausgabe des Göteborger Filmfestivals war für so manche Überraschung gut

Filmkritik

Die Dokumentaristin Alice Agneskirchner begleitet in ihrer Dokumentation »Lampenfieber« Kinder und Jugendliche bei den Proben zu einer Aufführung des Jungen Ensembles des Berliner Friedrichstadt-Palasts
Die Intergrationsgeschichte des deutschen Kriegsgefangenen Bert Trautmann, der im England der 50er Jahre zur gefeierten Torwartlegende aufstieg, inszeniert Marcus H. Rosenmüller zwischen klassischer Sportfilmdramaturgie und britischem Feelgood-Movie, dem man mehr Mut zu offenen Widersprüchen gewünscht hätte
Der Dokumentarfilm »Free Solo« punktet nicht nur mit der Spannungsdramaturgie eines Felswandklettergangs, sondern zugleich mit Fragen danach, wie man gestrickt sein muss, um solche Risiken einzugehen
Nach den humorvollen schwedischen Bilderbüchern hat »Kommissar Gordon & Buffy« die Freundschaft von Kröte und Maus sehr liebevoll in Manier der Vorlage umgesetzt und erzählt damit gleichzeitig zwei spannende Kriminalfälle aus den Tiefen des Waldes
Klischeehafter deutscher Thriller um einen schüchternen Computernerd, der nach Zurückweisung durch eine Kommilitonin zu brutalen Methoden greift. »A Young Man with High Potential« ist formelhaftes Genrekino ohne Charme
Dokumentarfilm über die »exklusivste Privatschule der Welt«, natürlich in der Schweiz. Doch anstatt einen kritisch-fragenden Blick auf eine Bildungsparallelwelt zu werfen, wird »Die Schule auf dem Zauberberg« immer mehr zum harmlosen Porträt eines einzigen, durchaus sympathischen Schülers. Das Potenzial des Themas wird dadurch verschenkt
Einmal mehr stürzt sich Nicole Kidman mit Haut und Haar auf eine Rolle, die ihr psychologisch wie optisch Neues abverlangt. All ihr Einsatz fruchtet allerdings nur bedingt, weil das Drehbuch von »Destroyer« auch mit einer Frau im Zentrum über weite Strecken nur die üblichen Antihelden-Ermittler-Klischees auffährt
Mit ihrem Regiedebüt gelingt Valesca Peters ein intimes Porträt des einstigen Stars. In einigen Szenen kann sie sogar die Maske, hinter der Berger seinen Schmerz und seine Unsicherheit verbirgt, durchbrechen und so das differenzierte Bild eines Mannes zeichnen, dessen Leben sich nicht nur in Skandalen und Schlagzeilen erschöpft.
Der um die 40-jährige Steve meint, seine Freundin Carola testen zu müssen, nur weil sein Freund verlassen wurde. Beide stürzen in eine Midlife-Crisis. »Wie gut ist deine Beziehung?« ist eine belanglose Liebeskomödie von Ralf Westhoff (»Shoppen«), der sonst so ein feines Gespür für die skurrilen Belange des Zeitgeistes hat
Essayfilm, der sich zwar äußerst interessanten Themen zuwendet, aber keine wirklichen Bilder dafür findet. Vielleicht ist dies eine neue ästhetische Form des Nachdenkens, vielleicht aber auch die Grenze des Kinos
In der 3D-Animationskomödie über ein ­Druiden-Casting werden bekannte Asterix-Motive zu einer Geschichte zusammengefügt, der es trotz Drive und Witz am legendären Esprit der Comicvorlagen mangelt
Mit seinem untheatralischen Theaterfilm über die fiktive Entstehungsgeschichte des Stücks »Cyrano de Bergerac« gelingt dem Regisseur, Autor und Darsteller Alexis Michalik ein großer Wurf: »Vorhang auf für Cyrano«
Wenn Amerika ein Geschenk Gottes ist, findet die 19-jährige Tish, dann sollten seine Tage gezählt sein. Ihre ganz eigene Sicht der Dinge gibt den Ton von Barry Jenkins' Film vor: eine Mischung aus Romantik und Zorn, Poesie und Unerbittlichkeit. Jenkins hat James Baldwins Roman »Beale Street« in ein Meisterwerk atmosphärischen Erzählens übertragen
Ein Heavy-Metal-Fan verletzt sich bei der Arbeit an der größten Jesusstatue der Welt so stark, dass ihm ein neues Gesicht transplantiert wird. »Die Maske« ist ein Rundumschlag gegen die Zustände in der polnischen Gesellschaft, gegen die Medien, katholische Bigotterie und die Konsumgesellschaft. Ein sperriges, distanziertes Lehrstück
Nach 35 Jahren harmonischer Ehe erfährt Meredith, dass ihr Mann sie mit HIV angesteckt haben muss. Wie unter dem Brennglas beobachtet Christine Respond die von Barbara Auer gespielte Ehefrau, die ihr Leben neu ausrichten muss, mit einer noch immer stigmatisierten Krankheit und einem Mann, dem sie nicht mehr vertrauen kann: »Vakuum«
Dokumentation über eine Gruppe von jungen Männern in der traditionsreichen Burschenschaft Germania München. Dramaturgisch clever konstruiert, wirft die Doku subtil Fragen nach der gesellschaftlichen Konstruktion von Männlichkeit auf
Ein ungewöhnlicher Western, der auf Philosophie, Realismus und Emotion setzt und im Gewand einer nur scheinbar geradlinigen Geschichte notwendige Fragen nach dem Wesen von Helden und der Natur von Männergemeinschaften stellt. Und der dann sogar auch noch mitten ins Herz nicht nur des Genres trifft: »The Sisters Brothers«
Bemüht wirkende Lifestylekomödie über drei Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen mit ihrem Mutterdasein hadern: »Frau Mutter Tier«
Die Fortsetzung von Doris Dörries Erfolgsfilm »Kirschblüten – Hanami« ist ein reizvoll verspieltes Märchen, in dem mittels einer japanisch-bayerischen Geisterbeschwörung einem Mann, der sich nicht als richtiger Mann fühlt, zur Erleuchtung verholfen wird: »Kirschblüten & Dämonen«
Eine rechtsradikale Terrorzelle, zwei Männer, eine Frau, zwei Stunden mit kaputten Triebgesteuerten, die brüllen, vögeln und Menschen mit Migrationshintergrund töten. Radikales Kino am Abgrund, man kann Jan Bonnys Film »Wintermärchen« nicht mögen
Erstaunliches Dokument einer radikal islamischen Familie in Syrien. Vor allem in der Art, wie Gewalt und Religion auch für die Kleinsten schon verbunden werden, ist dieser Film erschütternd. Kaum jemandem ist es gelungen, so nah an seine überaus gefährlichen Protagonisten heranzukommen: »Of Fathers and Sons«
Fiktionalisierte Biografie der US-amerikanischen Richterin Ruth Bader Ginsburg. In sich stimmig und allzu großes Pathos vermeidend, ist »Die Berufung« mit seiner Hauptdarstellerin letztlich jedoch zu glatt geraten und verblasst hinter der Präsenz der realen Ruth Bader Ginsburg
Anfang der 1980er Jahre in Detroit: Auf dem Höhepunkt der Crack-Epidemie rekrutiert das FBI den Teenager Rick als Informanten. Yann Demange verbindet in »White Boy Rick« Sozialdrama mit Drogenthriller zur düsteren Anklage eines skrupellosen und rassistischen Systems
Drei Geschwister finden sich am Bett ihres kranken Vaters wieder... Zwischen Nostalgie und Melancholie verhandelt Regisseur Robert Guédiguian in »Das Haus am Meer« seine großen Themen, nämlich die ­Zukunft der Linken, den Humanismus und die Liebe zur Kunst – nicht immer psychologisch stimmig, aber stets glaubwürdig
In seinem Regiedebüt »Mid90s« wandelt sich Schauspieler Jonah Hill zum sensiblen Independentfilmer. Mit viel Empathie schildert er die Coming-of-Age-Story eines 13-Jährigen, der im Los Angeles der 90er das Skateboarden für sich entdeckt
Veit Helmer betrachtet visuelles Erzählen als Kür des Filmemachens. Sein Film »Vom Lokführer, der die Liebe suchte« erzählt ohne Worte die anrührende und zugleich komische Geschichte eines einsamen Mannes in Aserbaidschan
US-Remake der 2014 entstandenen norwe­gischen Actionkomödie »Einer nach dem anderen«. Regie führt erneut Hans Petter Moland, dem mit Liam Neeson diesmal ein größerer Star zur Verfügung steht. Die Geschichte spielt jetzt in den USA, arbeitet ansonsten aber fast bildgetreu das Original ab: »Hard Powder«
Verfilmung des Bestsellers über eine schwarze Schülerin, deren Jugendfreund von einem weißen Cop erschossen wird – wodurch sie an einen Wendepunkt ihres Lebens gerät. Kraftvoll inszeniert und durchweg herausragend gespielt. Der Film zur Zeit und politisches Kino par excellence: »The Hate U Give«
Ein ungewöhnlich subtiles, mit viel Gespür für höfischen Alltag und Rituale erzähltes Historiendrama. Im Mittelpunkt: vier Kinder, die als politische Schachfiguren missbraucht werden: »Ein königlicher Tausch«
Ein Gangsterepos, das im Kern eine Liebesgeschichte und dessen Schale eine Parabel auf das Fieber des Wandels ist, das China ergriffen hat. Jia Zhangke spürt ihm in einer Suchbewegung nach, die von seiner Heimatprovinz Shanxi zu den Städten am Ufer des Jangtse führt, die der gesellschaftliche Fortschritt dem Untergang weiht: »Asche ist reines Weiß«
Fatih Akins Verfilmung der Heinz-Strunk-Vorlage über den Hamburger Frauenmörder Honka schrammt hart an der Überzeichnung, ist dennoch über die Maßen eindrücklich: »Der goldene Handschuh«
Statt Thelma und Louise sind es dieses Mal Mel und Franny auf einem vergnüglich rasanten Road Trip. Mit Witz und Verve beweisen sie unter der Regie von Karoline Herfurth, die dass sich auch Frauen auf vergnüglich freche Weise zu einem Buddy Movie zusammenraufen können: »Sweethearts«
Die Verfilmung eines beliebten Mangas über ein Cyborg-Mädchen mit Kulleraugen und Killerinstinkt, lange Zeit Wunschprojekt James Camerons, hat nun Robert Rodriguez »Alita: Battle Angel« inszeniert – so aufwändig wie trashig und leider auch recht langweilig. Am interessantesten ist da noch die moralisch fragwürdige Vermischung von Süßlichkeit und drastischer Gewalt
Sebastian Winkels (»7 Brüder«) zeigt in seinem neuen Film Bankberatergespräche auf der ganzen Welt. Trotz interessanter Einblicke geht das Konzept nicht ganz auf

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