Kritik zu Una Primavera

© Fugu Filmverleih

2018
Original-Titel: 
Una Primavera
Filmstart in Deutschland: 
02.01.2020
L: 
80 Min
FSK: 
Ohne Angabe

In ihrem Debütfilm als Regisseurin erzählt Valentina Primavera vom gescheiterten Aufbruchsversuch ihrer geliebten Mutter

Bewertung: 3
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Der Titel dieses Films kann auf mindestens drei Weisen gelesen werden: »Primavera« ist der Familienname der Regisseurin, könnte aber auch ihre Mutter meinen, die im Lauf des Films von einer verheirateten Primavera wieder zu einer »Di Gregorio« wird. Denn sie lässt sich scheiden. Damit wären wir auch schon bei der dritten möglichen Bedeutung des Titels. Denn »primavera« heißt auf Italienisch »Frühling« und deutet so – nach konventioneller Symbolik – in Richtung Aufbruch und Neubeginn.

Die scheinen bitter nötig. Fiorella Primavera hat mit neunzehn geheiratet und drei Kinder großgezogen. Jahrzehntelang wurde sie dabei misshandelt, sagt sie, näher ins Detail geht der Film aber nicht. Jedenfalls verlässt sie mit 60 Jahren das selbst entworfene große Haus in den Hügeln über Roseto degli Abruzzi und reist zu ihrer Tochter (der jüngsten) nach Berlin. Valentina beginnt, die Mutter zu filmen und begleitet sie später mit der Kamera auch zurück nach Italien.

Der daraus entstandene Film ist kein Feel-Good-Movie. In den um Roseto angesiedelten Familienteilen geht es knallhart patriarchal zu und die heilige Familie steht – dank Kirche und Lega – immer noch über allem. Auch Fiorella selbst macht mit der eingenommenen pathetischen Opferrolle dem Publikum die Sympathie schwer. Etwa wenn sie bei ihrem ersten Besuch in der nun vom Ehemann bewohnten Villa mit lautem Gejammere (»mein ganzes Leben, mein armes Haus!«) den heruntergekommenen Zustand des Mobiliars beklagt. Oder der Klassiker: Als der Mann sie um klare Ansagen für sein weiteres Verhalten bittet, kommt als Antwort: »Das ist genau das Problem. Du solltest wissen, was ich brauche.«

»Una Primavera« erzählt all das atmosphärisch dicht mit genretypischer Wackelkamera und einer stark elliptischen Montage. Klaustrophobisch wird es, weil mit dem Leben jenseits der Familie auch mögliche Lösungen wie systematisch ausgeklammert werden. Der erhoffte Frühling kommt jedenfalls in diesem Film nicht.

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