Kritik zu Un amor – Eine Liebe fürs Leben

© Kairos Filmverleih

Eine Frau zwischen zwei Männern und alle drei zwischen damals und heute: Im Film der argentinischen Regisseurin Paula Hernández (Im Regen des Südens) kehrt eine Frau nach 30 Jahren an den Ort ihrer Jugendlieben zurück

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Bruno und Lalo, beide um die 16, wachsen in einem argentinischen Provinznest der 70er Jahre auf. Der introvertierte Träumer und der zupackende Automechaniker sind ein Herz und eine Seele. Wie aus dem Nichts taucht die kecke Lisa auf, die beiden den Kopf verdreht, sich aber schließlich für einen der beiden entscheidet. Der innigen Männerfreundschaft tut dies keinen Abbruch. Oder doch?

Die Konstellation kommt einem bekannt vor. Doch die unprätentiöse Haltung, aus der heraus Paula Hernández eine Erzählung des argentinischen Schriftstellers Sergio Bizzio für die Leinwand adaptiert, hat mit dem üblichen Psychokrieg einer Dreiecksgeschichte wenig gemein. Dank einer extremen Ellipse braucht der Zuschauer eine Weile, um sich zurechtzufinden. Die Geschichte beginnt etwa dreißig Jahre später, Bruno sitzt gedankenverloren an seinem Schreibtisch in seiner Wohnung in Buenos Aires. Er ist ein arrivierter Autor fürs Fernsehen, und der melancholischdistanzierte Beobachterblick, den er als Jugendlicher hatte, zeichnet auch die Gefühlslage des Endvierzigers aus. Als verheirateter Vater zweier Kinder ist er nicht wirklich angekommen in seinem Leben. Das wird ihm bewusst, als unvermittelt Lisa vor der Tür steht, die er seit diesem heißen Sommer damals nicht wiedersah. Sie will von ihm die Telefonnummer von Lalo erfahren, der noch immer in diesem Dorf wohnt.

Erstmals seit ihrer Jugend kommen die drei wieder zusammen. Was damals geschah, klärt sich in gestaffelten Rückblenden. Die nichtlineare Erzählform dient der Sache und drängt sich nicht effekthascherisch in den Vordergrund. So machen die Sprünge zwischen den beiden Zeitebenen den Kontrast spürbar zwischen dem fertigen Leben, an dem sich nichts mehr ändern lässt, und der jugendlichen Aufbruchsstimmung. Dieses Gefühl vermittelt vor allem die charmante Denise Groesman als jugendliche Lisa. Mit kurzem Blumenkleid, grell orangefarbenen Stiefeletten und einem Charlotte-Gainsbourg-Lächeln mischt sie die beiden Jungs gehörig auf. Ihr Herz gehört dem virilen Machertyp Lalo, der sie zwar heiraten – aber entsprechend der katholischen Sexualmoral vor der Ehe nicht mit ihr schlafen will. Da er lieber zu einer Prostituierten geht, macht Lisa – sie ist die Tochter von linken Regimekritikern, die sich auf der Flucht befinden – ihre erste sexuelle Erfahrung eben mit Bruno. Die Freundschaft der beiden Jungs wird auf die Probe gestellt, doch offene Rivalität ist kaum zu sehen: Erst gegen Ende erinnert man sich an eine Szene zu Anfang des Films, in der Lalo seinen Freund beim Fußballspiel mit einem rüden Foul von den Beinen holt.

Das unterschwellige Melodram erscheint wie ein emotionales Triptychon, dessen Teile sich gegenseitig erklären. Mit sicherem Blick für Details entfaltet die Regisseurin drei unterschiedliche Lebensentwürfe, die um eine verfehlte Begegnung und die daraus resultierende Sehnsucht kreisen. Der kleine große Film, untermalt mit einem angenehmen Popsoundtrack, begeistert durch seine charmante Beiläufigkeit und eine elegante Unaufgeregtheit. Mehrfaches Ansehen lohnt sich.

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