Kritik zu True Story – Spiel um Macht

© 20th Century Fox

Wer nutzt hier wen aus? Jonah Hill und James Franco spielen Katz und Maus in der wahren Geschichte über einen Journalisten und einen Killer

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Fast jeder gute Journalist kennt diesen Moment: Man arbeitet mit Hingabe an einer großen Story, investiert unheimlich viel Aufwand für eine gute Recherche und kommt irgendwann an diesen Punkt, der einen verzweifeln lässt: Es fehlt das letzte Detail, um die Geschichte rund zu bekommen. Oder anders: Die letzte Prise, um sie vielleicht preisverdächtig zu machen. In diesem Moment begehen manche Journalisten Tabubruch – und helfen dem Wahrheitsgehalt der eigenen Story etwas auf die Sprünge. So wie Michael Finkel, ehemaliger Reporter des »New York Times Magazine«. Seine Geschichten landen innerhalb von drei Jahren zehn Mal auf Seite eins, die seine stolze Freundin zu Hause für ihn einrahmt. Finkels Spezialgebiet: Krisengebiete in Afrika. Doch bei seinem letzten Artikel über Kindersklaven vermischt er Fiktion und Wahrheit. Im Journalismus generell und vor allem bei der berühmtesten Zeitung der Welt ist Gnade aber ein Fremdwort. Der Chefredakteur bekommt Wind von dem Fauxpas – und feuert ihn umgehend.

Der frühere College-Comedy-Trottel Jonah Hill spielt diesen gefallenen Engel und überambitionierten Star-Reporter mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit, Reife und nötiger nervöser Zappeligkeit. Zur Läuterung zieht sich Finkel in die verschneiten Berge Montanas zurück, wo ihn das Schicksal natürlich trotzdem findet. Er hört von einem mutmaßlichen Mörder, der im Gefängnis sitzt und bei der Verhaftung vorgab, Michael Finkel zu heißen. In diesem, sagen wir, analogen Shitstorm, wittert der gestolperte Reporter eine neue Chance auf ein großes Comeback. Der Mörder und ich, daraus könnte ein Buch werden! Und vielleicht eine Rehabilitation?

In Wirklichkeit ist nun daraus nicht nur ein Buch, sondern auch ein Hollywoodfilm geworden, der vom Thema natürlich ganz nah an Truman Capotes Erfolgswerk "Kaltblütig" ist beziehungsweise sein will. Darin rekonstruierte der US-Autor Mitte der 60er Jahre die Bluttat von Perry Smith und Dick Hickock, zwei Männern, die in Kansas eine Familie umbrachten. Capote besuchte die Mörder in der Todeszelle und schrieb daraufhin einen Bestseller. Ein ähnliches Szenario erlebt man nun zwischen Finkel und dem Inhaftierten Christian Longo, der hier vom wunderbar umnächtigt aussehenden James Franco dargestellt wird. Aus der Begegnung entwickelt sich zunächst ein interessanter Spannungsbogen, begleitet von der Frage, wer hier eigentlich wem von Nutzen ist.

Das Kammerspiel nutzt sich aber bedauerlicherweise schnell ab. Debütregisseur Rupert Goold tut das, was eben nur im Journalismus eine Tugend ist: Er klammert sich allzu stark an die historische Fakten  der Geschichte zwischen diesen zwei Männern, die sich eigentlich stärker polarisieren müssten. Für einen Filmemacher sollte die überlieferte Wahrheit aber vielleicht eher sekundär bleiben und vor allem im Dienste der Fiktion stehen. Für eine Klimax hätte es wahrscheinlich eh nicht gereicht – Finkel und Longo sind heute noch gut befreundet und treffen sich einmal im Monat in der Besuchszelle.

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