Kritik zu Superbuhei
Oliver Korittke alias Ekki Talkötter als paranoider mittelalter Alkoholiker in der Krise – eine schwarzhumorige Groteske.
Als herzensguter, etwas trotteliger Finanzbeamter Ekki Talkötter in der ZDF-Krimireihe Wilsberg ist Oliver Korittke vor allem dem Fernsehpublikum bekannt. Und irgendwie scheint ihm die Rolle des liebenswerten Losers auf den Leib geschrieben zu sein. Die übernimmt er auch in Josef Brandls Superbuhei nach einem Roman von Sven Amtsberger. Und er lebt die Figur des erfolglosen Kneipiers Jesse Bronsky in Hannover-Langenhagen, der die Scorpions für die beste Band der Welt hält, voll aus.
»Klaus Meine« heißt diese Kneipe, als Hommage an den Leadsänger der Band, gelegen in einem Supermarkt, wo üblicherweise Bäckereien angesiedelt sind. Jesse zählt zu seinen besten Gästen, von denen ohnehin nur drei ihre Tage dort verbringen. Dem Supermarktleiter Stanislawski (gewohnt schmierig: Jan Georg Schütte) ist das Ganze ein Dorn im Auge, und dann droht da auch noch eine Markenrechtsklage von Meine, der natürlich einen Gastauftritt hat.
Als wäre das alles nicht schon genug, glaubt Jesse plötzlich, dass ihm sein langverschollener böser Zwillingsbruder Aaron nach dem Leben trachtet, um selbst darin Platz zu nehmen. Jesses Frau, die Kassiererin Mona (Silke Bodenbender), hat lange zu ihrem Mann gehalten. Doch als er sie im Wahn angreift, kann auch sie nicht mehr.
Das alles erzählt Brandl, der zusammen mit Johannes Simon Becker auch das Drehbuch geschrieben hat, in wirrer Abfolge und mit den skurrilsten Figuren. Immer wieder sind Jesses aufgerissene Augen in Naheinstellung zu sehen (Kamera: Moritz Moessinger). Wacht er da gerade aus einem Alptraum oder aus seiner Realität auf? Ist es der Alkohol, seine persönliche Krise oder eine reale Bedrohung?
»Superbuhei« ist der Name des Supermarkts, der ausschließlich mit dem eigenen Logo gebrandete Produkte verkauft. Nicht nur das verleiht dem Film eine gewisse, großartig von Marc Bitz geschaffene, irreale Wes-Anderson-Atmosphäre – Brandl war bei »Grand Budapest Hotel« Setdesigner.
Der Roman von Amtsberger war 2017 als »Ode an die Tristesse des Kleinbürgertums« gefeiert worden; die filmische Adaption ist vielmehr eine Groteske, die das Publikum verwirrt, verstört und ein wenig deprimiert entlässt.









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