Kritik zu Red Sparrow

© 20th Century Fox

Regisseur Francis Lawrence (»Die Tribute von Panem«) inszeniert Jennifer Lawrence als russische Topspionin zwischen allen Fronten – der Start eines neuen Franchise?

Bewertung: 1
Leserbewertung
3.5
3.5 (Stimmen: 2)

Auf den ersten Blick wirkt der Agentenfilm »Red Sparrow« wie ein Gegenentwurf zu James Bond. Anstelle eines weltgewandten Briten steht eine junge Russin im Mittelpunkt; statt aufwändiger Action gibt es verzwickte Intrigenspiele; wo die Bond-Filme mit kindlichen Gut-Böse-Schemata arbeiten, ist Heldenhaftigkeit hier relativ; und wo die Erotik bei 007 zahm geworden ist, spielen Nacktheit und Sex in »Red Sparrow« eine zentrale Rolle. Klingt alles interessant anders. Nur müsste man es auch interessant umsetzen.

Die Probleme von »Red Sparrow« beginnen schon in den ersten Einstellungen. Wie originell kann ein Film sein, in dem ein ärmliches Wohnzimmer mit Röhrenfernseher und riesigen Fellmützen signalisieren müssen: Wir sind jetzt in Russland! Dominika Egorova (Jennifer Lawrence) hat eigentlich eine große Karriere als Ballerina beim Bolshoi-Ballett vor sich. Auch das ein Hinweis: diese Frau hat Ausdauer, Disziplin – und Sex-Appeal. Als diese Laufbahn durch einen Unfall beendet wird, rekrutiert ihr Onkel, der aussieht wie ein Neffe Vladimir Putins, Dominika für den Geheimdienst. Sie landet in einer Schule für »Red Sparrows«, die ihre Zielpersonen vor allem durch Sex gefügig machen sollen. Irgendwie erweist Dominika (ihr Name erinnert nicht zufällig an »Domina«) sich als Klassenbeste. Als Zeichen der Hochbegabung dient ihre Erkenntnis, dass es sexuell gewalttätigen Männern gar nicht um Sex geht, sondern um Macht. Die Ausbilderin (Charlotte Rampling in einer besseren Statistenrolle) zeigt sich tief beeindruckt. Da sind sogar die Charakterisierungen in James Bond weniger trivial.

Über den weiteren Verlauf der Geschichte muss man nicht viel sagen. Die »Topspionin« wird in Budapest auf den eigenwilligen CIA-Agenten Nathaniel Nash (Joel Edgerton) angesetzt – und er auf sie. Daraus entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit wechselhaften Loyalitäten und jeder Menge Enthüllungen. Sadistische Gewalt und sexuelle Manipulation spielen eine große Rolle. Nur der Zweck dieser Mittel bleibt unklar. Weder der KGB noch der CIA scheinen ein gewichtiges Ziel zu verfolgen. So banal es klingen mag: Wenn kein Weltfrieden gerettet oder keine Atomformel gestohlen werden muss, werden solche Agentenspielereien schnell langweilig. Für eine Milieuzeichnung à la John Le Carré wiederum ist der Film zu sehr auf Mainstream angelegt.

Die ganzen Aktionen werden auch nicht als Selbstzweck entlarvt, der Spuren auf Seele und Körper hinterlässt: der Sex, die Manipulationen, die Folterungen. Irgendwie soll das am Ende doch alles Sinn machen. Aber nichts davon wird reflektiert, wie etwa in der brillanten Agentenserie »The Americans«, in der es vor allem um die ethisch-moralischen Implikationen dieser Themen geht. Bei »Red Sparrow« geht es aber nicht um Ethik oder Moral. Sondern – als fragwürdige weibliche Ermächtigungsfantasie getarnt – um die Etablierung eines neuen Franchise für Jennifer Lawrence. Nicht nur dadurch wirkt der Film genauso zynisch wie die Menschen, von ­denen er erzählt.

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