Kritik zu Prinz Charming

© Splendid Film

2018
Original-Titel: 
Prinz Charming
Filmstart in Deutschland: 
02.08.2018
Sch: 
L: 
85 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Prinz Charming kann keine wider­stehen – weshalb der Hallodri sich mit Schneewittchen, Dornröschen und Aschenputtel parallel verlobt hat. Nun muss er vor seinem 21. Geburtstag die wahre Liebe finden. Die Animationskomödie von Ross Venokur (»Voll auf die Nuss«) versucht die Subversion der Geschlechterrollen

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Er macht seinem Namen alle Ehre, reihenweise verfallen die Mädchen Prinz Charming, dem meistgeliebten (von den Frauen) und gleichzeitig meist­gehassten (von den Männern) Mann des Königreiches. Doch die Gabe ist ein Fluch, unter dem alle leiden, zumal der Prinz im Lauf seines jungen Lebens (sein 21. Geburtstag steht bevor) gleich drei Prinzessinnen gerettet hat: Schneewittchen, Aschenputtel und Dornröschen. Natürlich haben sich alle drei in ihn verliebt und üben sich derzeit im Zickenkrieg darüber, wer wohl die schönste Hochzeitstorte und wer den tollsten Prinzen bekommt. Dass der künftige Ehemann in allen drei Fällen derselbe ist, merken sie erst, als sie von ­einer anderen jungen Frau darauf aufmerksam gemacht werden.

Lenore ist eine junge Diebin, die ihre einschmeichelnd-wissbegierigen Fragen nutzt, um die drei Grazien ihres Schmucks zu berauben. Dabei erwischt, stellt sich heraus, dass sie unempfindlich für die Ausstrahlung von Prinz Charming ist, denn sie wurde nicht im Königreich geboren. So wird sie angeheuert, ihn auf seiner Reise zu beschützen, maskiert – mit gestohlenem Bart – als Lenny. Diese Reise durch gefährliches Gebiet ist die letzte Chance, den Fluch zu brechen: denn hat der Prinz nicht bald seine wahre Liebe gefunden, zementiert sich der Fluch an seinem 21. Geburtstag für immer und kann nie mehr gebrochen werden.

Es kommt, wie es kommen muss, im Verlauf der Reise kann Prinz Charming etwas von seinen Qualitäten zeigen, Lenore verliebt sich ihn und bewahrt ihn am Ende, in einem natürlich hochdramatischen Finale, davor, freiwillig aus dem Leben zu scheiden – die einzige Möglichkeit, die er noch sah, den Bann zu brechen.

Spätestens seit der erste »Shrek«-Film die Regeln des Märchens lustvoll auf den Kopf stellte, haben diese ein Stück weit ihre Unschuld verloren. Für Disney sind die Prinzessinnen zwar immer noch ein Standbein ihres Universums, aber sie sind nicht länger die passiv auf den Retter wartenden Mädchen, vielmehr nehmen sie die Sache selber in die Hand, zeigen sich aktiv und unternehmungslustig und geben auch schon mal dem vermeintlichen Traummann einen Korb. Da reiht sich auch dieser Film ein, einerseits augenzwinkernd und dann doch wieder die einzig wahre Liebe ­beschwörend. Leider drängt sich dabei der Verdacht auf, die eigentlich hübsche Ausgangsidee wurde hier nach den Regeln von Handbüchern fürs Drehbuchschreiben umgesetzt, so schematisch läuft alles ab, auch die Gestaltung der Figuren bleibt eher flach, ohne jene liebevollen Details, für die Namen wie Aardman und Pixar stehen.

Visuell sticht nur eine farbenprächtige Sequenz hervor, die Lenore und den Prinzen in der Gefangenschaft eines Stammes von – ausschließlich weiblichen – Menschenfressern sieht, inhaltlich scheint das eher fragwürdig. Mit der Besetzung tragender Stimmen (im Original) durch ­Demi ­Lovato und Ashley Tisdale und einer ­Handvoll Songs (mit wenig Ohrwurmcharakter) empfiehlt sich der Film eigentlich nur für die Zielgruppe junger Mädchen.

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