Kritik zu Polnische Ostern

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Ohne Stereotypen geht es nicht in dieser Komödie: Jakob Ziemnicki schickt Henry Hübchen als grantigen deutschen Bäckermeister zu einer polnischen Familie, die bestätigt, was an den Stammtischen so über das Nachbarland behauptet wird

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Das deutsche Kino hat die Culture-Clash-Komödie entdeckt. Nun ist natürlich das, was man gern als deutschen Nationalcharakter annimmt, etwas, das dazu reizt, vom Fremden herausgefordert zu werden. Eine Komödie kommt ohne Stereotypen nicht aus, aber in den besseren sind nicht sie lustig, sondern ihr Zusammenbruch. »Almanya – Willkommen in Deutschland« teilt milde nach beiden Seiten aus, während »Maria, ihm schmeckt's nicht« nach dem Motto aufgestellt war: Alles was Sie schon immer über den Süditaliener wussten, aber nie auszusprechen wagten.

Mit dieser Humorkeule prügelt auch »Polnische Ostern« auf kulturelle Identitäten ein. Dabei beginnt das Spielfilmdebüt von Jakob Ziemnicki, der 1975 in Polen geboren wurde und seit 1980 in Deutschland lebt, schön mit einem liebevoll-ironischen Blick auf die deutsche Provinz im Stile des frühen Detlev Buck. Werner Grabosch ist Bäckermeister in Rendsburg, wo Deutschland übersichtlich ist. Sein Haus steht allein am Nord-Ostsee-Kanal, und vereinsamt ist er selbst, seit seine Frau und seine Tochter verstorben sind. Grabosch lebt mit seiner Enkelin Mathilda zusammen. Doch als ihr Vater, der Pole Tadeusz, auftaucht und sie mit Zustimmung der deutschen Jugendbürokratie nach Polen holt, bricht für den Bäcker eine Welt zusammen. Denn von Tadeusz hält er nicht viel und von den Polen auch nicht.

Grabosch fährt nach Polen, mit der Videokamera, um die zweifellos miesen Lebensverhältnisse seiner Enkelin zu dokumentieren und die Behörden zu einer Rücknahme ihres Beschlusses zu bewegen. In welche Richtung sich diese Komödie entwickelt, merkt der Zuschauschauer schon kurz nach Graboschs Grenzübertritt: Da wird der Atheist von einer Streife gestoppt, ein Polizist und ein Pfarrer, und er soll wegen zu langsamen Fahrens 100 Euro zahlen oder ein paar Vaterunser und Ave-Maria beten. Das mag als satirische Überhöhung gedacht sein – witzig ist es nicht.

Und so geht es weiter: Natürlich lebt die polnische Familie mit vier Generationen in einer vollgestopften Wohnung, das Haus ist noch im Rohbau, Tadeusz schlägt sich mit Anything-for-a-zloty-Geschäften durch, und Bauganoven sind ihm auf den Fersen. Und weil der Ort Czestochowa heißt und die berühmte Schwarze Madonna beherbergt, wird Mathilda einer spontanen »Nottaufe« unterzogen – und Grabosch gleich mit. Wegen des Videos. Sein Auto schließt er anfangs noch mit einer Parkkralle an – aber dann wird es doch geklaut, auf dass sich der alte Polenwitz bewahrheite: Was ist das Schöne an Polen? Dein Auto ist schon da. Aber am Ende muss Grabosch (»So geht das hier nicht, ich bin Deutscher«) erkennen, wie zu erwarten war, dass seine neue Familie aus liebenswerten Menschen besteht.

Die schönsten Szenen hat der Film, wenn er sich auf die Annäherung zwischen Tadeusz' Mutter Irena (gespielt von Kieslowski-Schauspielerin Grazyna Szapołowska) und Grabosch, den Henry Hübchen melancholisch und ruppig gibt, konzentriert. Da ist der Film weitgehend ironiefrei, eine kleine Liebesgeschichte zwischen einem vereinsamten älteren Herrn und einer selbstbewussten Frau in den, nun, besten Jahren. Davon hätte man gerne mehr gesehen.

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