Kritik zu Nirgendwo

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In seinem Debütfilm lässt Matthias Starte drei Freunde mit gemeinsamer Vergangenheit ein paar Jahre nach dem Schulabschluss am alten
Heimatort aufeinandertreffen

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Um seinem strengen Vater aus dem Weg zu gehen, aber trotzdem von ihm unterstützt zu werden, studiert Danny (Ludwig Trepte) Betriebswirtschaft fernab seines Heimatortes. Sein Studium quält ihn und zwingt ihn außerdem dazu, sein Hobby zu vernachlässigen. Denn viel lieber wäre er Fotograf geworden. Nun hält er lediglich noch seine amourösen Abenteuer per Fernauslöser fest. Als er vom plötzlichen Tod seines Vaters erfährt, kehrt er widerwillig in seine Heimat zurück, an den Ort, wo Naturschönheit und Langeweile sich die Hand geben und außer alten Erinnerungen nicht so viel auf ihn zu warten scheint.

Doch dann stellt sich heraus, dass auch dort das Leben weitergegangen ist. Seine Stiefschwester Kirsten (Amelie Kiefer) ist schwanger, sein bester Freund ist der Vater, weiß davon aber noch nichts, und seine ehemalige Freundin Susu (Saskia Rosendahl) war nie wieder so glücklich wie zuvor mit ihm. Schnell macht man dort weiter, wo man nach dem Abi aufgehört hatte. Doch irgendwie ist es nicht mehr dasselbe. Eigenverantwortung lauert vor den Fenstern zum Glück. Dennoch beginnt, durch den Tod vom Joch des Vaters befreit, erstmal eine freudvolle Zeit des Feierns und des Wiedersehens, Urlaub in der alten Heimat sozusagen, zu dem sich immer mehr alte Freunde gesellen, bis schließlich alles in einer gigantischen Orgie endet.

Dann aber kommt die Testamentseröffnung und Danny erfährt, dass er nur erben soll, wenn er sein Studium abschließt. Unterdessen aber hat er sich für ein Fotografie­studium in Paris entschieden. Nur den Porsche seines Vaters, der noch wohlbewahrt in der Garage stand, nimmt er mit. Ob seine frisch geknüpften neuen Bande mit den alten Freunden halten, bleibt offen.

»Nirgendwo« ist ein lockerer Film mit Fallhöhe. Die Beziehungen, die er zeigt, bergen ernste Probleme und zeitigen dann auch heftige Konsequenzen. In Kombination mit der leichten Erzählweise von Matthias Starte entsteht so ein glaubwürdiges Bild eines Freundeskreises auf dem Land, wo nicht jeder sich danach sehnt, die Heimat zu verlassen. Was natürlich auch zu Konflikten führen kann. Die Freundschaften sind an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt angekommen. Wenn auch die Reaktion eines werdenden Vaters etwas drastisch erscheint, so bleibt der Film doch eine kleine, schmissige Sonnenuntergangsvision an der deutschen Küste. Überzeugend in seinen Dialogen, mit ausgeprägten, noch unverbrauchten Gesichtern und einer wahrhaftigen Geschichte tritt Matthias Startes Erstlingsfilm in die Welt des Kinos. Ein wenig Kleines Fernsehspiel haftet ihm noch an, so vermeidet Starte sichtlich das allzu große erzählerische Risiko, aber in der Konkurrenz der zahlreichen Debüts in diesem Jahr kann er sich durchaus sehen lassen.

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