Kritik zu A Nice Indian Boy
Mit Anleihen am Bollywoodkino, sentimentaler Überwältigung und einem erfrischenden Ensemble erzählt Roshan Sethi eine queere Romanze.
Wenn das Leben doch wie ein Film wäre. Genauer: wie ein Bollywood-Film. Noch genauer: wie Aditya Chopras klassische Romanze »Dilwale Dulhania Le Jayenge« (kurz: »DDLJ«) aus dem Jahr 1995. Simran (Kajol) und Raj (Shah Rukh Khan) triumphieren da als Liebende über Widrigkeiten des Lebens und gesellschaftliche Konventionen. Roshan Sethi, Arzt und Kinoregisseur, hat sich von »DDLJ« für seinen Film »A Nice Indian Boy« inspirieren lassen. Mit einer Akzentverschiebung: Sethi hat Simran und Raj in ein schwules Paar in Kalifornien verwandelt. Der Arzt Naveen (Karan Soni) und der Fotograf und Adoptivsohn einer Familie mit indischen Wurzeln Jay (Jonathan Groff) träumen von einer prachtvollen indischen Hochzeit. Aber für Naveen stellt sich eine alles verkomplizierende Frage: Wie sage ich es meiner Familie?
Der auf einem Theaterstück von Madhuri Shekar aufbauende Film lässt nichts aus, um auf dem kürzesten Weg maximale Überwältigungstreffer zu landen: sentimentale Effekte, stilisiertes Beziehungspathos, idealisierte Zweisamkeitsfantasien und vorhersehbare dramatische Wendungen. Das funktioniert dank eines fast schon unverschämt sympathischen Ensembles. Vom Klischeeballast befreien auch immer wieder ironische und augenzwinkernde Pointen.
Sonis Figur Naveen ist ein großer Zauderer, er hat seine Gefühle hermetisch eingekapselt. Da muss schon ein unrettbarer (und verletzlicher) Romantiker wie Jay erscheinen, um dem Geliebten den Weg zum emotionalen Coming-out zu eröffnen. Sunita Mani als Naveens unberechenbare Schwester Arundhathi, Zarna Garg als temperamentvolle Übermutter und Harish Patel als überforderter Vater gewinnen darstellerisches Profil in Szenen, die ganz ernsthaft von Familiendynamik, unterdrückten Konflikten und unausgesprochenen Gefühlen erzählen. Amy Vincents Kamera schafft einen opulent ausgestatteten Rahmen, in dem sich die Handlung entfaltet: mit satten Farben, Zeitlupe, Close-up und cooler Camp-Ästhetik. Wie »DDLJ«, nur ganz anders.






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