Kritik zu Nanga Parbat

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Der Berg ruft wieder im deutschen Kino, wo nach dem Dokumentarfilm »Am Limit« und dem Eigerdrama »Nordwand« nun Reinhold Messner an der Reihe ist. Joseph Vilsmaier verfilmt die Tragödie, bei der Messner 1970 am Nanga Parbat seinen Bruder verlor

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Es geht um die Besteigung des Nanga Parbat im Himalaja 1970, bei der sein jüngerer Bruder Günther ums Leben kam. Anschließend machte der Streit zwischen Messner und Expeditionsteilnehmern, die ihm eine Mitschuld am Tod seines Bruders vorwarfen, Schlagzeilen; 2005 wurden Günther Messners sterbliche Überreste gefunden. Reinhold Messner selbst regte Regisseur Vilsmaier zu diesem Film über seine Lebenstragödie an.

Inspiriert von Messners Erlebnisbericht »Der nackte Berg«, kreist die Inszenierung um zwei Schwerpunkte: die Beziehung der Brüder und Messners Konflikt mit Expeditionsleiter Karl Maria Herrligkoffer, der ihm nach der Tour öffentlich schwere Vorwürfe macht. Objekt der Begierde ist die Erstbezwingung der Rupalwand, mit 4500 m die höchste Steilwand der Erde. Das Unglück beginnt, als sich Reinhold Messner trotz schlechten Wetters im Alleingang zum Gipfel vorarbeitet. Der Bruder geht ihm vier Stunden später nach – ohne Seil, Proviant und Zelt. Nach der Gipfelerklimmung folgt ein viertägiger gemeinsamer Überlebenskampf, bei dem Günther, seinem Bruder wie stets hinterherlaufend, für immer zurückbleibt.

Gleich vorweg: Die Diskussionen darüber, ob Messner in dieser nach menschlichem Ermessen nicht nachvollziehbaren Extremsituation am Tod des Bruders schuld ist, sind albern. »Der beste Bergsteiger ist der, der die verrücktesten Sachen wagt, aber dabei nicht umkommt«, sagt Messner. Allerdings macht Vilsmaier keine Anstalten, dieser von Liebe und Konkurrenz geprägten Geschwisterseilschaft mehr als nur oberflächliche Eindrücke aus der Südtiroler Jugend abzugewinnen. Dabei demonstrierte bereits der Dokumentarfilm »Am Limit« über die Huber-»Buam« psychologisch packend die fatale Verklammerung zweier Brüder, die nicht anders können, als miteinander zu kooperieren – und zu wetteifern. Bezeichnenderweise lässt Vilsmaier auch das interessante Detail, dass Herrligkofers eigener Halbbruder bei einer Bergsteigerexpedition ums Leben kam, nur kurz anklingen.

Ebenso uninspiriert, ja lieblos, ist leider die Darstellung des Bergsteigerhandwerks selbst, das etwa in »Nordwand«, obgleich größtenteils im Studio gedreht, weit anschaulicher wird. Wer wann wohin (ganz zu schweigen warum) klettert, bleibt relativ unklar; auch das Bergpanorama ist trotz Himalaja-Originaldrehorten nicht besonders atemberaubend. Plakativ sind dagegen die Charaktere: hie der verknöcherte Herrligkoffer (Karl Markovics), noch ganz in Nazirhetorik verhaftet, dort der charismatische Freigeist Messner, der einen Hauch von 68er in das verkniffene Team bringt. Die Messner-Darsteller (Florian Stetter, Andreas Tobias) bleiben weitgehend ausdruckslose, hochdeutsch sprechende Flachlandtiroler, Markovics gibt den knoddernden Giftzwerg. Psychologisch auf den Hahnenkampf zweier Egomanen eingedampft, befindet sich auch diese Beziehung, die Anzeichen eines Vater-Sohn-Konfliktes in sich trägt, auf bräsigem Fernsehfilmniveau: ein flacher Bergfilm.

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