Kritik zu Monga – Gangs of Taipeh

© Rapid Eye Movies

2010
Original-Titel: 
Monga – Gangs of Taipeh
Filmstart in Deutschland: 
09.12.2010
L: 
140 Min
FSK: 
16

Die Inspirationen reichen von Scorseses »Goodfellas« bis zu Mereilles' »City of God«: Der taiwanesische Schauspieler und Regisseur Doze Niu Chen-Zer haucht dem Gangsterdrama neues Leben ein

Bewertung: 4
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Doze Niu Chen-Zer, der Regisseur des Films »Monga – Gangs of Taipeh«, neigt nicht zur Bescheidenheit. Mit seinem Werk wolle er ein ganz eigenes Genre erschaffen, stellte der taiwanesische Filmemacher fest: »Einen neuen Stil der Action-Choreographie, die sich von Hongkong-Actionfilmen und japanischen Samuraifilmen unterscheidet.« Dieser taiwanesische Actionstil, so Doze Niu Chen-Zer, solle emotional, improvisiert und realistisch sein. Aber auch ästhetisch.

Für »Monga« hat er alle Farben auf seiner Palette genutzt. Der Film über eine Jugendgang in Taipeh in den 80er Jahren ist große Emotion in permanenter Bewegung. Sie prügeln sich, lieben, trinken und rauchen. Und sie empfinden tief, immer wieder fließen die Tränen. Tseng Li-Tings Drehbuch ist eine Hommage an Scorseses »Goodfellas« und Coppolas »Paten«. Sandee Chans Musik übersetzt das Patenthema gewissermaßen ins Chinesische.

In Monga, dem ältesten Stadtviertel von Taipeh, wird der 17-jährige Mosquito (Mark Chao) in eine Bande halbstarker Gangster aufgenommen, in der Monk (Ethan Ruan) eine zentrale Rolle spielt; in seiner Obhut fühlt Mosquito sich erstmals sicher vor den Schikanen der Mitschüler. Der Anfang ist traumhaft leicht und humorvoll choreographiert. Jake Pollocks Kamera nimmt Prügeleien auf, die wie Tänze anmuten.

Eine zarte Bildersprache wählt der Regisseur für die zunächst unschuldige Liaison Mosquitos mit einer jungen Prostituierten. Welch Sehnen und Schmachten. »Monga« zeichnet das Bild des von Bandenkriminalität geprägten Milieus wie in einer authentizitätssüchtigen Sozialstudie; die Ausstattung ist fabelhaft. Allmählich entwickelt sich ein Konflikt zwischen dem auf Tradition und Form (keine Schusswaffen, immer nur Messer!) setzenden alten Gangsterregime und den neuen Konkurrenten vom chinesischen Festland. Die jungen Leute müssen sich entscheiden, auf wessen Seite sie künftig stehen wollen. In dem Drama um Freundschaft, Verrat und Rache übernehmen Mosquito und Monk die Hauptrollen. Aus den jungen Männern, engen Seelenverwandten, werden Gegner.

Doze Niu Chen-Zer hat viel Sinn für die Spannung des gesprochenen Wortes. Debatten über Vergangenheit und Zukunft, Tradition und Moderne im Bandenwesen haben die Wucht von Duellen. Ma Ju-Lung als Boss Geta mag aussehen wie der Chef einer Garküche, er ist ein alter Fuchs, weiß Intrigen zu spinnen und zu dechiffrieren. Und er kann zuschlagen. Sein Kontrahent Grey Wolf, gespielt vom Regisseur, ist ein intellektueller Pragmatiker. Sein Geschäft betreibt er mit gequälter Miene: ein melancholisch und grau gewordener Pate.

Die Figuren verbindet mehr als Verbrechen und Gewalt. »Scheiß auf den Sinn«, bemerkt Mosquito einmal über die rituellen Prügeleien. »Für mich zählt nur die Brüderschaft.« Ein anderes Wort für Freundschaft, die hier auf eine harte, unmenschliche Probe gestellt wird. Doze Niu Chen-Zer erzählt eine Geschichte, die vieles zugleich ist: emotional, improvisiert, realistisch, aber auch ästhetisch. Ein großer Wurf.

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