Kritik zu Max Payne

© 20th Century Fox

Was treibt Kinoproduzenten bloß dazu, Videospiele zu verfilmen? Mark Wahlberg als Rache suchender Cop liefert einmal mehr den Beweis, dass ein populäres Game nicht unbedingt einen guten Filmplot abgibt

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Zu Beginn glaubt man fast, man sitze im falschen Film: Da schwebt der leblose Körper eines athletisch wirkenden Mannes in trübem Gewässer – kennen wir das nicht irgendwoher? War das nicht eine Art Leitmotiv in den »Bourne«-Filmen? Anstelle von Matt Damon treibt in der Eröffnungsszene von »Max Payne« zwar Mark Wahlberg in den Fluten, aber auch für den Rest des Films wird man das Gefühl nicht los, dass man alles, was hier mit großer Geste präsentiert wird, irgendwo schon mal gesehen hat.

Basierend auf dem gleichnamigen Videospiel, das gerade aufgrund seiner vergleichsweise ausgefeilten Pulp-Neo-Noir-Rahmenhandlung und des ungewohnt emotionsvoll angelegten Titelcharakters bei Gamern große Erfolge feiern konnte, strotzt die Verfilmung nur so von klassischen Motiven wie der ewig verregneten Großstadt, dem melancholischen Bullen und der sinistren Femme fatale.

Max Payne – dieser Name steht für »maximaler Schmerz«, womit überraschenderweise nicht nur die Gewalt gemeint ist, die der Held ausübt, sondern vielmehr seine endlose Trauer über den Verlust seiner Frau und seines Kindes. Mark Wahlberg, als Schauspieler tendenziell noch immer unterschätzt, versteht es durchaus, die Gebrochenheit dieses dunklen Helden, der selbst am Schreibtisch schwer bewaffnet seine Akten ordnet, glaubhaft zu machen. Seine sportliche Erscheinung und seine martialische Ausstattung stehen in scharfem Gegensatz zu seinem trauernden Blick und seiner leicht gebückten Körperhaltung. Man ahnt, dass selbst die Rache an den Mördern seiner Familie ihm keine Erlösung schenken wird.

Ein halbwegs kluger, geschweige denn spannender Film will sich daraus leider nicht entwickeln – denn wenngleich die Handlung dem Verlauf des Games weitgehend folgt, wird einem schmerzhaft klar, dass die Story für ein Ballerspiel vielleicht komplex wirken mag, einen Kinofilm aber nicht tragen kann.

»Max Payne«-Regisseur John Moore, der sich mit Filmen wie »Behind Enemy Lines« als ambitionierter Action-Professional erwiesen hat, bemüht sich zwar sichtbar um einen markanten visuellen Stil und betreibt ein durchaus bewusstes Spiel mit den Versatzstücken des Film noir und der überspitzten Game-Ästhetik. Da sich die diversen Subplots, Storywendungen und Nebencharaktere aber einfach nicht zu einer Geschichte verdichten wollen, erstarrt der Film in einer Anhäufung sattsam bekannter Klischees. Die Handlungssprünge und die Zusammenhanglosigkeiten der diversen Subplots sind so auff ällig, dass man von massiven Kürzungen während des Schnitts ausgehen muss – so löchrig kann kein Drehbuch sein. Was bleibt, ist eine Bildgestaltung, die bisweilen wie eine »Realversion« von »Sin City« wirkt, Actionszenen als Mixtur aus »Matrix« und »Die Hard« sowie ein Titelcharakter, dessen Existenzialismus auf traurige Weise ins Leere läuft.

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