Kritik zu Marsupilami
Können sechs Millionen französische Zuschauer irren? Das fröhliche, aus einem Comic stammende Fabelwesen wird in dieser turbulenten Realverfilmung zum Objekt der Begierde von Wilderern und anderen Losern.
Das Marsupilami ist ein gelbes, schwarz geflecktes Dschungeltier, optisch angesiedelt zwischen Katze, Affe und Luchs und versehen mit einem, je nach Quelle, sieben bis neun Meter langen Schwanz. Es ist stark, pfiffig und schnell wie der Blitz. Erfunden wurde das vergnügte Fabelwesen 1952 vom belgischen Comiczeichner André Franquin. Seither hat es sich unaufhaltsam ins popkulturelle Gedächtnis geturnt – vor allem in der Frankophonie, aber auch in Deutschland, wo immer mal wieder Marsupilami-Animationsfilme laufen. Der erste Realfilm »Auf den Spuren des Marsupilami« (2012) war hierzulande nur im Heimkino zu sehen. Diese neue Komödie knüpft mit dem tollpatschigen Fremdenführer und Marsupilami-Schützer Pablito, gespielt von Jamel Debbouze, an diesen Vorgänger an. Wieder geht es darum, das seltenste Tier der Welt vor Geschäftemachern zu schützen.
David, Angestellter eines Privatzoos, hat Riesenmist gebaut. Aus Angst, seinen Job zu verlieren, lässt er sich von seinem Chef dazu erpressen, ein dubioses Paket aus Südamerika abzuholen und durch den Zoll zu schmuggeln. Damit das Ganze harmlos aussieht, soll David ein Kreuzfahrtschiff besteigen. David lädt seine Ex-Partnerin und den gemeinsamen Sohn zu einem vorgeblichen Kreuzfahrturlaub ein. Die Sache mit dem Zoll will er seinem trotteligen Kollegen Stéphane anhängen und lotst ihn ebenfalls aufs Schiff. Im Dschungel von Palumbien heftet sich außerdem David an die Fersen der Reisegesellschaft. Last, not least treten ein geltungssüchtiger Kapitän, eine ehrgeizige Filmemacherin und eine Bande Wilderer in Aktion.
Klingt wie ein elaborierter Plot, ist aber ein reueloses Tohuwabohu, in dem Regisseur und Hauptdarsteller Philippe Lacheau seine Komödiantentruppe »Bande à Fifi« von der Leine lässt. Sie veranstalten ein Trommelfeuer aus Slapstick und Sketchen, in denen jedes Register von kindlich und anarchisch über doof, verschlagen, frivol bis hin zu ganz schön brutal gezogen wird. Da bekommt die Political Correctness in Gestalt von Stéphane, der David für einen Flüchtling hält, ebenso ihr Fett ab wie Hollywoodfilme wie etwa »E. T.« oder »Jurassic Park«, die flink parodiert werden. Found Footage à la »Hangover«, Tiktok-Videos, Dokusoap, Gorillas im Park, Klobürsten, Piranhas an den Weichteilen und Jean Reno: Alles wird in frenetischem Tempo verwurstet.
Dieser französische Kassenhit scheint so ähnlich zu funktionieren, wie wenn Asterix-Kenner beim Fondue voller Vorfreude auf das Fallen des Brotstückchens und das Zitat »In den See, in den See ...« warten. Man weiß, was man kriegt: Die »Bande à Fifi« und ihre an Familien mit kleinen Kindern adressierten tiefergelegten Juxereien sind durch Komödien wie »Alibi.com« eine ebenso bekannte Marke wie das quecksilbrige Marsupilami.
Das übrigens taucht, zunächst als Ei, erst nach einer halben Stunde auf. Das knuddelig animierte Tier wird zum besten Kumpel von Davids Sohn, dient aber vor allem als McGuffin, und letztlich als Geheimwaffe. Sein Schwanz ist abwechselnd Lasso, Peitsche und Schnur – und hält diesen Unfug buchstäblich zusammen.




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