Kritik zu Letzte Tage in Havanna

© Kairos Filmverleih

2016
Original-Titel: 
Últimos días en la Habana
Filmstart in Deutschland: 
25.01.2018
L: 
93 Min
FSK: 
12

Fernando Pérez (»Das Leben ist ein Pfeifen«, »Suite Habana«) lässt in seinem neuen Film ein Haus in der Altstadt von Havanna samt Bewohner für sich sprechen

Bewertung: 3
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Unter unhaltbaren Zuständen stellt man sich meist etwas vor, was ständig und schnell in Bewegung ist. Dabei zeigen sie sich oft als Verfall im Zeitlupentempo: langsam, schleichend, lähmend. So wie das Kuba, das Fernando Pérez in seinem neuen Film »Die letzten Tage in Havanna« präsentiert: ein Endzustand, der sich ins Endlose verlängert. So wie das Haus in der Altstadt von Havanna, in dem der Film zu neunzig Prozent spielt: bröckelnde Fassade, beschmierte Wände ohne Putz, klappernde Balustraden, kein Warmwasser mehr. Und trotzdem zählt es noch als Privileg, dass Die­go (Jorge Martínez) hier eine Wohnung hat. Die Tage des Aids-Kranken sind in der Tat gezählt, so dass er es nicht als Beleidigung empfindet, dass eines Tages seine Großnichte Yusis (Gabriela Ramos) bei ihm auftaucht und ihm das Versprechen abnimmt, ihr die Wohnung zu hinterlassen. Aber was wird dann aus Miguel (Patricio Wood)? Schließlich versorgt der stoische alte Schulfreund, der tagsüber als Tellerwäscher arbeitet, Die­go mit Medikamenten und mit Essen und ab und an mit einem Stricher von der Straße.

Aus den Gesprächen, die Diego mit Nachbarn und Verwandten vom Krankenbett aus führt, setzt sich ein Mosaik kubanischer Haltungen zusammen: Da ist Miguel, der »Konterrevolutionär«, der auf seine Ausreisegenehmigung wartet und die Abende träumend vor einer USA-Karte verbringt. Da ist die Nachbarin Feva, die für Diego Kuchen backt, ihn aber nicht sehen möchte, weil sein Zustand sie so traurig macht. Und da ist Pedro, der als Strichjunge Geld für die Familie auf dem Land verdient. Für alle gilt: Man macht das, was nötig ist, um zu überleben. Für mehr reicht es einfach nicht.

»Letzte Tage in Havanna« ist ein zutiefst trauriger Film, aber kein Abgesang. Pérez beschreibt eine Gegenwart, in der nichts so bleiben kann, wie es ist, in der die Menschen aber wenig andere Wahl haben, als auszuharren. Seine Zustandsbeschreibung ist in ihrer Präzision so faszinierend wie mitreißend.

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