Kritik zu Ghost Rider: Spirit of Vengeance

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Nicolas Cage schlüpft ein weiteres Mal in die Rolle des Johnny Blaze, diesmal an seinem Schicksal, seine Seele dem Teufel verkauft zu haben, sichtlich gealtert

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Er ist kaum noch wieder zu erkennen, dieser Johnny Blaze, der einst einen Deal mit dem Teufel geschlossen hat. Damals war er 17 und wollte seinen krebskranken Vater retten. Also hat er seine Seele dem großen Verführer verkauft. Nur musste er schon bald auf sehr schmerzliche Weise erkennen, dass dem Teufel nicht zu trauen ist.

Von der fast noch jungenhaften Art, mit der Blaze vor fünf Jahren in Mark Steven Johnsons Adaption der »Ghost Rider«-Comics Tod und Teufel herausforderte, ist nichts mehr geblieben. Seine Zeiten als Daredevil, der in spektakulären Stuntshows mit seiner Maschine über Autos, Lkws und Hubschrauber springt, sind endgültig vorüber. Um seinem Schicksal als Kopfgeldjäger Luzifers, der den Verdammten die Seele aussaugt und sie in die Hölle schickt, zu entgehen, hat Blaze sich in die Einöde Osteuropas geflüchtet und versteckt sich nun dort, vor den Menschen genauso wie vor sich selbst. Doch auch dort findet´er keine Ruhe. Als dann auch noch der Waffen und Wein liebende Priester Moreau auf seinem Motorrad bei ihm auftaucht, bleibt dem Ghost Rider nichts anderes mehr übrig. Er muss sich dem stellen, wozu er geworden ist.

Nach seinem Drive-Angry-Abstecher im vergangenen Jahr, den man durchaus als Variation und Kommentar zu seinem ersten Ghost-Rider-Auftritt sehen kann, ist Nicolas Cage nun zurück als Johnny Blaze und tritt damit erneut gegen den von Ciarán Hinds gespielten Teufel an. Doch damit enden letztlich auch schon alle Gemeinsamkeiten zwischen Mark Steven Johnsons Hochglanzversion eines der düstersten (Anti)Helden aus dem Marvel-Universum und dem zweiten Ghost-Rider-Film, der eben keine Fortsetzung sein will.

Mark Neveldine und Brian Taylor, die mit den beiden Crank-Filmen und zuletzt mit dem sträflich unterschätzten Gamer dem Actiongenre ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt haben, setzten noch einmal neu an. Die Vorgeschichte, der Pakt mit dem Teufel, gerinnt zu einem kurzen animierten Einschub, in dem sich Drastik und Pathos die Waage halten. Und damit ist auch schon der Ton des gesamten Films vorgegeben. Wie in ihren vorherigen Arbeiten treiben Neveldine/Taylor auch im Marvel-Universum ein überaus ironisches Spiel mit Genrekonventionen.

Schon die erste große Verfolgungsjagd, die in einem irrwitzigen Zeitlupensturz von Idris Elbas Moreau gipfelt, der im Fallen die rettenden Schüsse auf die Reifen des Wagens der Verfolger abgibt, prägt ein für die beiden Filmemacher typisches Augenzwinkern. Aber diese überwältigende visuelle Ironie, die jeder Szene etwas ganz und gar Berauschendes verleiht, schafft eben keine Distanz zum comichaft- irrwitzigen Geschehen. Sie zieht den Betrachter im Gegenteil immer noch tiefer in die verkommene, von Gewalt und Verrat beherrschte Welt des Ghost Rider hinein. So wird er zum Komplizen der Regisseure. Er gibt sich wie sie – und wie Nicolas Cage, der hier endlich einmal all seine Manierismen ausleben darf und Johnny Blaze als Seelenjunkie spielt, für den das Böse im Menschen einer Droge gleicht – den Absurditäten des Genres begeistert hin.

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