Kritik zu The Future

© Alamode

Die Künstlerin Miranda July beobachtet in ihrem zweiten Film ein Paar in Los Angeles, das auch dann noch an eine gemeinsame Zukunft glaubt, als die beiden sich längst schon verloren haben

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Sprechende Katzen im Film haben immer etwas von Garfield. Und das scheint Miranda July ganz recht zu sein. In »The Future« heißt die Katze zwar Paw Paw, sie ist aber weder samtpfötig noch berechenbar, sondern ein einsames Wesen, das im Laufe der immer absurder werdenden Handlung in einer Zeitschleife vergessen und dann eingeschläfert wird. Und das nur, weil sich zwei Menschen nicht entscheiden können, um wen sie sich jetzt zuerst kümmern sollen, um einander, um sich selbst oder um die gemeinsame Katze in spe. Erwartungen werden aufgebaut, um im selben Moment wieder negiert zu werden, das ist das Prinzip dieses Anti-Garfields und das Prinzip von Miranda July. Schon jetzt prophezeit man Paw Paw eine herausragende Rolle in der Katzen-Filmgeschichte.

Sophie (Miranda July) and Jason (Hamish Linklater) spielen ein Paar, das in jeder Hinsicht am Scheideweg steht. Die Zukunft liegt in aller Vielfältigkeit offen. Um sich dem zu stellen, geben sie ihre Jobs auf, kappen den Internetzugang und konzentrieren sich auf das, was eine Entscheidung ausmachen soll: eine kranke Katze, die nach Ablauf einer Frist von vier Wochen entweder zu ihnen kommt oder eingeschläfert wird. Damit scheint die Katze die einzige Konstante zu sein, die beide miteinander verbindet, zumindest für einen begrenzten Zeitraum, denn lange wird sie ohnehin nicht mehr leben.

Doch während Sophie eine Affäre mit einem älteren Mann beginnt, besucht Jason einen Rentner, der viel von seiner eigenen Zukunft hat, und erfährt, das er mit seiner Beziehung zu Sophie erst am Anfang steht. Und das obwohl der Zuschauer weiß, dass diese bereits zu Ende ist. In dem Moment, als Sophie Jason ihre Affäre beichtet, hält er die Zeit an und fragt den Mond um Rat. Als die Zeit dann weiterläuft, ist es für die Katze bereits zu spät.

Anfang und Ende, zeitliche Linearität und die Geschlossenheit des Raumes, all das sind keine Kategorien für Miranda July. Sie löst eine Metapher mit der anderen ab, legt ihren Figuren schwere Sätze in den Mund, die kaum nur das bedeuten, was man vordergründig vermutet, wie: »Wir könnten uns dafür entscheiden, einfach nichts zu wissen«, und spielt mit dem Absurden. Dabei geht es ihr nicht nur darum, was man wissen kann, sondern auch um die Frage nach dem Glück, um Selbstbestimmung und die uneindeutige Schicksalshaftigkeit.

Es ist ein unsicherer, existenzialistischer Blick auf das Leben, jenseits der Sicherheit der romantischen Beziehungskomödie, ein buntes Märchen des Computerzeitalters, das seine Hippievergangenheit noch nicht vergessen hat und doch im Vakuum der Zeit verschwindet. Immer wieder produziert Miranda July, wie absichtsvoll auch immer, eine lähmende Ratlosigkeit, die eine Wiederholung nahelegt, der ein Mangel an visueller Spannung jedoch zuwiderläuft. Ein Film also, den man trotz großen Widerwillens vielleicht mehrfach sehen sollte. 

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