Kritik zu Es ist kompliziert..!

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Die Briten können das: gefühlvoll und gleichzeitig komisch-ironisch sein. Die Liebeskomödie von Ben Palmer bringt Lake Bell und Simon Pegg bei einem Blind Date zusammen und zeichnet ein treffendes Bild der großstädtischen Single-Szene

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3 (Stimmen: 2)

Auf dem Gebiet der Liebeskomödie macht den Briten so schnell niemand etwas vor. Richard Curtis setzte in den 90ern mit »Vier Hochzeiten und ein Todesfall« und »Notting Hill« neue Maßstäbe, an denen sich die Komödienschreiber im Vereinigten Königreich nach wie vor messen. Mit der Mischung aus britischem Understatement und knallharter Romantik, die selbst die Widerstände eingefleischter Schnulzengegner unterminiert, haben sich die englischen Rom-Coms eine gewisse emotionale Erdung erarbeitet, die amerikanischen Konkurrenzprodukten oft fehlt.

Ben Palmers »Es ist kompliziert« reiht sich nahtlos in diese Tradition ein. Im Zen­trum steht eine Seelenverwandte von Bridget Jones: Nancy (Lake Bell) ist Mitte dreißig und vom Dating- und Beziehungsmarkt reichlich genervt. Als eine Sitznachbarin sie im Zug nach London zur Lektüre ihres Lieblingslebensratgebers »Wie ich meinen Traumpartner finde« animieren will, bügelt Nancy sie mit wohldosiertem Zynismus ab und döst ein. Aber die junge Frau gibt nicht auf und legt das Buch neben die Schlafende. Als Nancy an der Waterloo Station mit dem Exemplar in der Hand nach der Besitzerin Ausschau hält, wird sie von einem Mann angesprochen: Sie seien verabredet, das Buch ihr gemeinsames Erkennungszeichen. Nancy lässt sich auf das geklaute Blind Date ein. Schließlich hat dieser Jack (Simon Pegg) Humor und zitiert mühelos aus »Das Schweigen der Lämmer« und »Wall Street« – wer kann da schon widerstehen? »Ich habe gehört, du machst Triathlon?«, fragt Jack beim Kennenlernen an der Themse, und so beginnt Nancy, die fremde Biografie auf das eigene eher unsportliche Sein zurechtzubiegen. Nach ein paar Drinks ist die Fragebogenphase ohnehin beendet, und beim Bowling geht es nur noch um die Freude am Moment.

Aber natürlich platzt die Bombe bald, und Jack findet das Verwechslungsspiel gar nicht lustig. Denn wie sich herausstellt, nagt er noch heftig an den Folgen seiner Trennung und wollte mit dem Date seiner künftigen Exfrau in einem Club auflauern. Bis sich alles löst, müssen die Halbverliebten einen ausführlichen Hindernisparcours hinter sich bringen, der in dieser angenehm erwachsenen Rom-Com allerdings auf sehr unterhaltsame Weise verlegt wurde. Drehbuchautorin Tess Morris bringt in schnellen, bissigen Dialogen die Lebenserfahrungen großstädtischer Ü-30-Singles brillant auf den Punkt.

Die amerikanische Schauspielerin Lake Bell passt sich hervorragend ins britische Setting ein und wirft sich mit Verve in die Rolle der frustrierten Mittdreißigerin, die sich äußerst widerwillig zu so etwas Ähnlichem wie Hoffnung hinreißen lässt. Simon Pegg ist als Romeo vielleicht nicht die geschmackssicherste Wahl, aber er bringt das genaue Timing des erfahrenen Komödianten mit. In der Zielgeraden wirft Es ist kompliziert doch noch kräftig den Kitschturbo an. Wenn die Wiedervereinigung der Liebenden mit dem 40. Hochzeitstag der Eltern kombiniert wird und sogar noch eine jugendliche Partygesellschaft durch das Wohnzimmerfenster jubelt, fügt man sich machtlos ins Happy-End-Delirium.

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