Kritik zu Enzo und die wundersame Welt der Menschen

© 20th Century Fox

2019
Original-Titel: 
The Art of Racing in the Rain
Filmstart in Deutschland: 
03.10.2019
L: 
109 Min
FSK: 
6
S (OV): 

Nur nicht aus der Kurve tragen lassen: Die Auffassung vom Hund als bestem Freund des Mannes wird in dieser Romanverfilmung noch weiter ausgereizt

Bewertung: 3
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Hunde-Familienfilme erzielen ihre Wirkung durch die Übermittlung von Gefühlen, die Hundebesitzer wiedererkennen, und die Nicht-Hundbesitzer ersehnen. Ist der Mensch zum Beispiel betrübt, spendet ihm sein Hund mittels Ankuschelns und brunnentiefen Blicken Trost. Der Anblick eines fröhlichen Hundes wiederum erfreut den Menschen. Ein geliebter Vierbeiner scheint einen direkten Draht zu Herrchen (zu Frauchen, zumindest im Film, eher weniger) zu haben. Wie denkt es in einem Hund? Der besonders Hundefilmen eingeschriebene Anthromorphismus, nach dem Hunde die besseren Menschen, gar lebende Schutzengel sind, wurde zuletzt in zwei »Bailey«-Filmen weiter ausgebaut. Darin inkarniert sich ein Vierbeiner in immer neuen Hunderassen so lange, bis auch sein menschlicher Seelenverwandter das Zeitliche segnet und Hund und Herrchen gemeinsam ins Paradies entschwinden.

Noch einen Schritt weiter wird die Seelenwanderung nun in der Verfilmung eines Bestsellerromans (»Enzo. Die Kunst ein Mensch zu sein«) von Garth Stein getrieben. In der Chronik des Lebens, Sterbens und Auferstehens des Golden Retrievers Enzo wird zugleich aus Enzos Perspektive das Auf und Ab im Leben seines Besitzers Denny geschildert. Der handfeste Automechaniker – seinen Hund benennt er nach seinem Idol Enzo Ferrari – verliebt sich in eine junge Frau aus wohlhabendem Haus, wird Vater, und strebt zugleich eine Karriere als Formel 1-Fahrer an. Seit Enzo – in Abwesenheit von Denny vor dem Fernseher geparkt – in einem Dokumentarfilm von einer mongolischen Legende erfuhr, nach der Hunde als Mensch wiedergeboren werden, ist er vom Wunsch beseelt, ein Zweibeiner mit beweglichen Daumen zu werden. Zur Vorbereitung beobachtet er die Menschen um sich herum und versucht, sich auf die Wirren einen Reim zu machen. Dabei hilft ihm Dennys Rennfahrerphilosophie, jene im Originaltitel »The Art of Racing in the Rain« benannte Geisteshaltung, ohne Angst im Hier und Jetzt zu leben, auf nasser Piste Kurs zu halten und sich nicht im Grübeln aus der Kurve tragen zu lassen. 

Tatsächlich wird mit dieser Metapher passend gemacht, was in der Mischung aus esoterischem Hundefilm und Formel 1-Leidenschaft eigentlich nicht zusammenpasst. Der zenbuddhistisch angehauchte Überbau und Enzos distanzierte Blick­ebene lassen das Unglück, das über Denny hereinbricht, weniger theatralisch wirken. Hier wird geschickter als üblich auf die Tränendrüse gedrückt: Regisseur Simon Curtis' (»Die Frau in Gold«) Inszenierung ist von einem Understatement geprägt, dank dem Todesszenen umso rührender hervortreten. Milo Ventimiglia verströmt als leidgeprüfter Denny eine cowboyhaft-stoische Männlichkeit, die von seinem besten Freund Enzo, der in Krisen helfend eingreift, gestützt wird. Wenn der Mann im Retrosportwagen mit seinem Hund, der mit flatternden Ohren auf dem Beifahrersitz die Schnauze in den Wind hält, durchs Bild rast, wird wortlos klar, dass hier zwei frauenlose Wesen ihren Himmel auf Erden erleben: auch Männerkitsch kommt von Können.

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