Kritik zu Die Prüfung

© Mindjazz Pictures

2015
Original-Titel: 
Die Prüfung
Filmstart in Deutschland: 
19.05.2016
R: 
B: 
Musik: 
L: 
96 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Dokumentarfilm über die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule in Hannover, dessen Schwerpunkt auf den Mitgliedern der Prüfungskommission liegt

Bewertung: 4
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»687 Bewerber, 10 Plätze, 9 Dozenten, 10 Tage – höchste Anspannung bei allen Beteiligten.« Schon die ersten beiden Posten in dieser tagline für den Film würden genügen, um das Interesse des Zuschauers zu mobilisieren. In dem Dokumentarfilm von Till Harms geht es allerdings weniger um die Bewerber (in diesem Fall für einen Platz an der staatlichen Schauspielschule Hannover) als um die Mitglieder der Prüfungskommission, die über deren Annahme bzw. Ablehnung entscheiden – und damit um die Frage, wie man das Talent eines Bewerbers erkennen kann. Gibt es dafür objektive Kriterien oder sind es eher Bauchgefühle, auf die die Dozenten sich dabei verlassen? Stehen sie zu ihrer Subjektivität oder kaschieren sie diese mit theoretischen Konstrukten?

Matthias Brandt, Katharina Schüttler und Susanne Wolff gehören zu den Absolventen der Abteilung Schauspiel an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, die sich zugutehält, ihre Absolventen erfolgreich an Theater vermitteln zu können. Jedenfalls steigen die Bewerberzahlen von Jahr zu Jahr. Für Regisseur Till Harms bedurfte es nach eigener Aussage drei Jahre Vorarbeit, bis er das erste Mal mit der Kamera bei einer Abschlussdiskussion der Prüfungskommission dabei sein durfte. Der Aufwand hat sich gelohnt.

Der Film protokolliert die verschiedenen Runden der Prüfungsgespräche und zeigt die Verschiedenheit der Dozenten und Dozentinnen, ihre sehr unterschiedlichen Temperamente – der eine treibt eine Bewerberin sehr direkt an, stärker aus sich herauszugehen, eine andere stellt Fragen und versucht dadurch, eine Bewerberin zum Hinterfragen ihrer Spielweise zu veranlassen. Bei aller Unterschiedlichkeit ist allen allerdings die Empathie anzumerken, wozu auch gehört, dass es ihnen nicht immer leichtfällt, für abgelehnte Kandidaten die richtigen Worte zu finden.

Gefilmt mit mehreren Kameras, die sowohl das Vorsprechen der Bewerber als auch die Reaktionen der Prüfer darauf im Bild festhalten, erlaubt der Film dem Zuschauer, die Argumentationen der Prüfer nachzuvollziehen und die sich zwischen ihnen entwickelnde Gruppendynamik mitzuerleben. Die leidenschaftlich geführten Diskussionen enden meist mit einem Konsens, manchmal aber auch mit Mehrheitsvoten, gegen die einzelne der Prüfer ihre konträre Sicht ebenso engagiert verteidigen.

Die Nichtangenommenen können sich mit der Unterschiedlichkeit der Ausbildungsstätten in Deutschland trösten – ein Kandidat, der nicht hierher passt, kann durchaus an einer anderen Schule Erfolg haben. Die Geschichten von später berühmten Künstlern, die bei einer Aufnahmeprüfung scheiterten, sind bekanntlich legendär. Andererseits: Wer Talent hat, wird sich am Ende durchsetzen, das ist zumindest die Überzeugung der Prüfer.

Man muss, auch als Filminteressierter, den Berufsstand des Schauspielers mit all seinen Eitelkeiten nicht unbedingt lieben, um an dem Film von Till Harms Gefallen zu finden. Das ist kein geringes Kompliment.

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