Kritik zu Death by Design – Die dunkle Seite der IT-Industrie

englisch © DBD Film

2015
Original-Titel: 
Death by Design
Filmstart in Deutschland: 
09.08.2018
V: 
L: 
73 Min
FSK: 
16

Die amerikanische Filmemacherin Sue Williams thematisiert in ihrem Kampagnenfilm die Verstrickung der IT-Industrie in Verbrechen gegen Natur und Arbeitskräfte

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Die persönliche ästhetische Sensibilität vieler Zuschauer dürfte bei diesem Film zusehends alarmiert reagieren: Da ist einmal die aufdringliche und vorhersehbare Machart, in der Weichspül-Werbebilder von HiTech-Produkten bald in dräuende Klänge und bedrohlichen Szenarien münden. Außerdem dürften zumindest dem europäischen Publikum die in »Death by ­Design« verhandelten bösen Machenschaften der IT-Industrie aus Fernsehreportagen und Filmen wie »Apple Stories« oder »Blood in the Phone« hinlänglich vertraut sein. Doch es könnte es ja sein, dass manche – wohl vor allem jüngere – Menschen die Hintergründe der Produktion ihre Telefone und Tablets doch noch nicht so gut kennen und von der aggressiven Filmsprache vielleicht sogar angesprochen werden. Wäre es also im Interesse der größeren Sache hier nicht vielleicht doch besser, einmal von persönlichen ästhetischen Abneigungen abzusehen?

Doch nun erst mal zu den erzählten Facts über die Tech-Produktion in den USA und in China (die wohl noch etwas tödlicheren Umstände der Rohstoff-Gewinnung in den Kriegsgebieten Ruanda und Kongo klammert der Film von Sue Williams aus unbekannten Gründen aus): »Death by Design« geht ins kalifornische Silicon Valley, wo sich unter den Glasfronten der IT-Firmen jede Menge verbuddelte giftige Chemikalien aus ihren Tanks im Untergrund des Tals langsam ins Grundwasser durchgefressen haben – mit den entsprechenden ökologischen und gesundheitlichen Folgen. Und an den Maozhou River nach Shenzen, wohin die US-Firmen den dreckigen Teil ihres Geschäfts exilierten, nachdem in den USA Aktivisten und Justiz anfingen, Druck zu machen. In China ist der Umweltschutz noch schwach, menschliche und räumliche Ressourcen scheinen unendlich. Doch Luft und Wasser sind aufs schwerste geschädigt. Und der Widerstand wächst.

Einige solcher Widerständler kommen im Film vor, Aktivisten etwa vom chinesischen Institute for Public and Environmental Affairs oder der Silicon Valley Toxics Commisssion geben Auskunft über die ­Dramatik der Lage und über Alternativen wie die Recycling-Firma iFixit. Auch engagierte Anwälte kommen zu Wort, die sich in den USA für die Rechte IT-Chemie-­Geschädigter einsetzen.

Problematisch wird es, wenn auch einige der Geschädigten selbst – unterlegt von sentimentalem Klaviergeklimpere – ihre ­anrührenden Leidensgeschichten der Ka­mera preisgeben. Oder ein geistig schwer behinderter junger Mann als Anschauungsobjekt instrumentalisiert wird für die Schädigung am Arbeitsplatz, die seine Mutter während der Schwangerschaft erfuhr. ­Spätestens dann wird das Ganze doch von ­einer Frage der Ästhetik und des Geschmacks zu einer des dokumentarischen Anstands. Aussagekraft zur Sache haben solche Szenen nicht. Dafür reproduzieren sie genau die emotionalisierenden Mechanismen, die man auch in der Propaganda findet.

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