Kritik zu Bullyparade: Der Film

© Warner Bros. Pictures

Zum 20. Jubiläum seiner erfolgreichen Sketch-Comedy blamiert sich Bully Herbig mit einem lahmen, weitgehend witzfreien Neuaufguss

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Während der Rezensent, halb gelangweilt von der pointenlosen Nichtigkeit, halb aufgebracht über die sinnfreie Alberei, sich im Geiste schon erste Formulierungen für seinen Verriss zurechtlegt, gelingt Michael Herbig doch tatsächlich ein passabler Metamoment. Eine halbe Stunde ist verstrichen, Sissy und Franz schäkern sich lustlos durch einen besonders uninspirierten Sketch, da verdecken rechts und links zwei Silhouetten Teile des Bilds. Sind es die Schatten von Kinozuschauern im vorzeitigen Aufbruch? Aber nicht nur wir, auch die Filmfiguren sehen die beiden offensichtlich ins Filmmaterial integrierten Gestalten, die jetzt in die Mitte drängen und einen Mann aus dem Sitz ziehen. Was denn da los sei, fragt der Kaiser. Ach, erwidert Sissi, da werde nur einer dieser Kritiker aus dem Saal entfernt. Die könnten ohnehin nichts mit dem Film anfangen.

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Nein, für die Kritiker hat Michael Herbig diese Kinoausgabe der »Bullyparade« wahrlich nicht gedreht. Dass die schreibende Zunft, die sich ja schon für seine Megahits »Der Schuh des Manitu« und »(T)Raumschiff Surprise« nur bedingt erwärmen konnte, an dieser infantilen Neuauflage kein gutes Haar lassen würde, war Herbig früh klar – da konnte er gagtechnisch auch gleich in die Offensive gehen. Immerhin schlägt er so einen etwas anderen, beinah intellektuellen Ton an, eine Note, die sich angenehm vom läppisch-parodistischen Einerlei seiner Nummernrevue abhebt.

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Mit »Wickie und die starken Männer« und »Buddy« hat Herbig es (leider) nicht geschafft, sich als Regisseur jenseits seines »Markenkerns« neu zu erfinden. Alle seine übrigen Arbeiten (mit Ausnahme des frühen »Erkan & Stefan«) entstammen auf die eine oder andere Weise dem Bully-Kosmos, und so blieb ihm vielleicht nichts anderes übrig, als zum alten Format zurückzukehren. Die alte Form allerdings erreicht er dabei nur selten. Hübsche Ideen wie die Verhinderung der deutschen Wiedervereinigung durch zwei Zwickauer Zeitreisende im Stil von »Zurück in die Zukunft« verpuffen ohne Knalleffekt. Winnetou und Old Shatterhand stolpern durch eine lustlos zusammengestückelte Westernfarce, in der Namen wie »General Motors« und »Misses Sippi« noch zu den geistreicheren Einfällen zählen. Gänzlich ohne Esprit verlaufen die »Wechseljahre einer Kaiserin«, in denen Sissi und Franz ein Schloss kaufen (oder vielleicht auch nicht). Eine krause »Wall Street«-Verballhornung, die sich auf Oliver Stone und Martin Scorsese gleichermaßen bezieht, findet ihren Höhepunkt in dem Moment, in dem ein Banker im Restaurant »Hedgefondue und einen Dachs« bestellt.

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Herbigs Comedy stellt keinerlei Bezüge zur Realität her. Sie ist nicht für oder gegen etwas, hat keine Haltung, kein Ziel. Nur der Fußballer Cristiano Ronaldo kriegt einmal sein Fett weg. Herbig kreist einfach nur um sich selbst – und zitiert pausenlos Filme. Aber wer außer den Kritikern sollte das bemerken?

Meinung zum Thema

Kommentare

Wir haben uns so gefreut auf den neuen Film von Bully und waren deshalb heute im Kino. Es war das Letzte. Wir waren so enttäuscht. Es waren nur 8 Personen im Kino und keiner hat gelacht. Alle haben beim Gehen geschimpft, es war rausgeschmissenes Geld. Sorry Bully, aber wir hatten wirklich was anderes erwartet.

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