Kritik zu Big Time

© Salzgeber

2017
Original-Titel: 
Big Time
Filmstart in Deutschland: 
08.02.2018
Musik: 
V: 
L: 
93 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Häuser sind eben nicht nur pragmatische Bauwerke, sondern Stein gewordene Ideen: Kaspar Astrup Schröder hat einen erstaunlich unterhaltsamen Dokumentarfilm über den dänischen Stararchitekten Bjarke Ingels gedreht

Bewertung: 4
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»Er wollte eigentlich immer nur Comics zeichnen«, sagt seine Mutter in stolzer Erinnerung. Den Studienplatz für Architektur beschafften die Eltern Bjarke Ingels ohne dessen Wissen. Groß war sein Interesse nicht. Verschmitzt und mit dem Blick auf eine sprunghafte Karriere, können die Eltern sich solche Bloßstellungen leisten, denn bei allem Erfolg ist Bjarke Ingels doch ein einfacher Junge geblieben. Sein Konzept ist ganz einfach. Rechts und links schauen, die Strukturen der Nachbarbauten aufnehmen und dann etwas entstehen lassen, das es so noch nie gab. Ein Museum im Trockendock, ein Hochhaus mit lichtdruchflutetem Innenhof, eine Brücke, ein Geschäftsgebäude am Ground Zero. Ingels ist dabei. International gefragt und immer eigenwillig extravagant. Seine Bjarke Ingels Group – BIG – ist die dänische Firma für bauliche Innovation.

Natürlich ist Bjarke Ingels der Held dieses Films, aber ein durchaus gebrochener. In seinem Kopf wächst ein kleiner Tumor, über dessen Beschaffenheit erst während der Dreharbeiten Klarheit entsteht. Mit 40 ist er unverheiratet und kinderlos – ein Zustand, den er sich so gar nicht hätte vorstellen können. Das ist der Tribut, den er zahlt für ein Leben zwischen Kopenhagen und New York, mit einem Arbeitstag von 15 Stunden. Der Film könnte mit der Hochzeit enden, doch er flüchtet sich in die Schwarzblende.

Kaspar Astrup Schröders Dokumentation sucht weniger die Intimität mit seinem Protagonisten, sondern ist vielmehr an seinen Gebäuden interessiert. Einzelne erklärt Ingels genau, andere werden nur kurz gezeigt. Dabei richtet sich der Film nicht nur an Architekturfans, sondern auch an Menschen, denen der Name Ingels nichts sagt. Wenn Ingels vor der Papierrolle den dicken Filzstift in die Hand nimmt, entsteht ein Traum aus Glas, Stein und Stahl. Wenn das Gebäude dann genauso aussieht wie geplant, ist es ein Triumph des gestalterischen Willens. Spannend erzählt ist dieses Porträt, mit einer immer sympathisch lächelnden Hauptfigur.

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