Kritik zu Bagger Drama
Fein erzähltes Familiendrama in einem Betrieb, der Bagger verkauft, vermietet und repariert.
Rot glänzend heben sich die Baggerschaufeln vom blauen, streifenfreien Himmel ab. Sie beginnen sich zu drehen, kreisen umeinander und kommen wieder zur Ruhe. Majestätisch wirken sie, auch etwas animalisch, vor allem aber vollständig befreit von ihrem Zweck, in der Erde zu wühlen. Zwischen Dinosaurier und Hightech-Gerät ist dieses »Bagger-Ballett« ein wunderbarer Einstieg in einen Film, bei dem es sonst nicht so viel zu schmunzeln gibt. Denn in seinem Kino-Debüt erzählt der Schweizer Regisseur Piet Baumgartner von einer sich auflösenden Familienstruktur. Nach dem tödlichen Paddelunfall seiner Schwester verzichtet Daniel auf sein Studium in den USA und fühlt sich verpflichtet, den Betrieb seiner Eltern, die Bagger vermieten, verkaufen und reparieren, zu übernehmen. Doch dann kommt alles anders. Er verliebt sich in einen neuen Mitarbeiter, seine Mutter unternimmt einen Suizid-Versuch und sein Vater beginnt eine Affäre mit der attraktiven Chorleiterin des kleinen Ortes im Berner Seeland. Was am Ende bleibt, ist eine für alle beunruhigend offene Zukunft.
Baumgartner erzählt seine Geschichte in einem ruhigen, langsamen Ton. Wie die schwerfälligen Bagger tanzt er in Zeitlupe um seine Figuren und entlockt ihnen Hinweise auf ihre Gefühls- und Gedankenwelt. Es gibt keine wirkliche Verständigung in diesem Film und das einzige, was die Familie zusammenhält, ist die gemeinsame Trauer um die Tochter beziehungsweise Schwester. Zu ihrem Gedenken haben sie am Ufer des Flusses einen Baum gepflanzt. Dort treffen sie sich jedes Jahr an ihrem Todestag. Vier Jahre umfasst der Film, aber man spürt nicht, wie die Zeit vergeht. Alles geht sehr langsam in diesem Teil der Welt, und wenn man dann mit dem Bagger ins McDonalds-Drive-in fährt, ist das kaum der Aufregung wert.
Beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 wurde Bagger Drama vollkomen verdient gleich mit zwei Preisen ausgezeichnet, für die beste Regie und das beste Drehbuch. Denn in den Bildern, die man nur schwer nacherzählen kann, entfaltet sich ein enormer Subtext. Und der ist im heutigen Kino selten geworden.







Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns