Kritik zu Allein unter Schwestern

© Neue Visionen Filmverleih

Der 13-jährige Kos und seine drei Schwestern müssen das Familienhotel allein managen, als der Vater ins Krankenhaus kommt. Ein Schritt ins Erwachsenenleben, den die Regisseurin Ineke Houtman mit Witz und Einfühlungsgabe schildert

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»Allein unter Schwestern« ist die Coming-of-Age-Geschichte des 13-jährigen Kos, der mit seinen drei chaotischen Schwestern das »Hotel de grote L« (Originaltitel) retten muss. Er ist auf der Suche nach seinem Platz in der Familie; nach dem Tod der Mutter liegt der Vater mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus, und die Kinder stellen nach Durchsicht der Akten fest, dass ihr Familienhotel vor dem Ruin steht. Kos hat eine innige Bindung zum Vater und leidet unter dessen Abwesenheit viel mehr als seine Schwestern, aus deren innigem Verbund er sich ausgeschlossen fühlt. Aus dem Off lässt er uns an seinen Empfindungen teilhaben, und es ist die große Kunst der Regisseurin Ineke Houtman, dass sie hier einen Teenager zeigt, der seine Gefühle und heimlichsten Gedanken preisgibt. Kos kämpft um die richtige Rolle, will einerseits cool sein und imitiert im Sakko und mit Gel im Haar sein Idol. Auf der anderen Seite zeigt er eine sensible Seite, und es ist ihm auch nicht zu peinlich, bei der »Miss Beach«-Wahl für eine kranke Schwester einzuspringen. Mit blonder Perücke und perfekt geschminkt, probiert er seine feminine Seite aus. Der Contest gehört zu den mehr oder weniger grandiosen Ideen der Kinder, das Hotel wieder attraktiv zu machen, und es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass auch Kos Angebetete am Wettbewerb teilnimmt. Mit sicherem Gefühl für Situationskomik beschreibt Houtman, wie vier Kinder allein ihren Alltag managen. Kos als Zweitjüngster ist auf jeden Fall der Vernünftigste, dem es langsam gelingt, auch die Schwestern von seinen Rettungsaktionen zu überzeugen. Als der Vater zurückkehrt, hat sich die schwierige Geschwisterkonstellation zu einem achtsamen Miteinander gewandelt, so dass sich der Vater nun seinerseits respektvoller mit seinen Kindern auseinandersetzen muss und ihnen nichts mehr verheimlichen darf. Vor allem nicht, wenn das »Hotel zum großen L« mal wieder in einer Krise steckt.

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