Aktuelles
20.05.2026
Satoshi Kons Langfilmdebüt »Perfect Blue« von 1997 kommt am 26. Mai endlich in ganzer Pracht auf die große Leinwand.
19.05.2026
Hollywood fehlt, doch Pawlikowskis »Vaterland« mit Sandra Hüller begeistert, und Hamaguchis »Soudain« erfüllt mit Hoffnung.
15.05.2026
Nathalie Baye war eine der vielseitigsten französischen Schauspielerinnen ihrer Generation – graziös, klug und nie einzuordnen. Ein Nachruf auf eine Ausnahmekünstlerin.
11.05.2026
Die 79. Filmfestspiele in Cannes eröffnen mit »The Electric Kiss«. Im Wettbewerb um die Goldene Palme kämpft auch Valeska Grisebach – und Paweł Pawlikowski erzählt eine deutsche Geschichte.




Amrum
Eine Vorschau hat mich auf diesen Film aufmerksam gemacht. Denn mit Amrum verbindet mich familiäre Geschichte. Meine Eltern sind 1932 in Schlesien geboren, meine Mutter entstammte einer großbürgerlichen Offiziersfamilie, mein Vater sehr armer Arbeiterklasse die zumeist in der Kohle arbeiteten.
Sie lernten sich als Flüchtling und Vertriebene in Schlossricklingen kennen und lieben. Die Familie meiner Mutter war gegen diese Beziehung, ihr Vater war Stadtkommandant von Beuten, sein Vater war wegen Fernbleiben am Kriegswichtigen Arbeitsplatz für einen Nachmittag, 9 Monate Sträfling in Auschwitz. Ermusste dort Steine klopfen. Bis zu seinem Tod vertrat er die Ansicht das Juden in Auschwitz, Schlecht behandelt und zuweilen auch getötet worden sind ein Massenmorden wie Vergasung hätte aber nicht statt gefunden. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang das er 1941. - 1942 dort war also bevor die Gaskammern eingerichtet worden sind.
1957 heirateten meine Eltern trotz des Widerstandes der Familie meiner Mutter und machten ihre Hochzeitsreise nach Amrum. Mein Vater war begeisterter Fotograf und die beiden Alben ihrer Hochzeitsreise waren eine Art heiliges Artefakt in unserer Kindheit. Mein Vater war ein guter Fotograf, alle Fotografien waren in Schwarz Weiß , die Ried gedeckten Häuser, der breite Strand die Dünen mit Leuchturm waren in meiner Kindheit Artefakte einer Traumlandschaft, als mein Vater 2010 starb, reiste ich 2011 mit meiner Freundin auf seinen und meiner Mutter Spuren nach Amrum und erlebte dort den Zauber dieser Insel recht intensiv.
Fatih Atkin hat diesen in Erinnerung gebliebenen Zauber in seiner Bildsprache sehr gut eingefangen, der Film hat mich begeistert auch weil er Hark Bohm würdigt, den ich seit meiner Jugend ( Nordsee ist Mordsee) (Moritz lieber Moritz) sehr schätze…die Liebe zu Detail von der Porzelanbutterdose bis zu vögelnden Vögeln, hat Atkin dieser wunderschönen Insel ein Denkmal gesetzt. Ich danke ihm und dem ganzen Team dafür , er hat ein Landschaft und Geschichtsporträt geschaffen, dass ich mir immer mal wieder ansehen werde, da dort ein Kindheitstraum von mir eingefangen worden ist…. Mit dem i Tüpfelchen, der als Polacken beschimpften Flüchtlinge….Fakin hat ein wirklich rührendes Ende gefunden als das „Polackenmädel“ dem Hauptdarsteller ein Lederband mit Bernsteinanhänger schenkte und wenn es nur eine Scherbe war, war’s ebenso gut. Die Schlussszene mit Hark Bohm hat dieses wunderschöne Ende eliminiert…aber es war Hark Bohm, das passt dann schon….Bravo und Danke für diesen wunderschönen Film