Kritik zu Hiddensee
In essayhafter Form beleuchtet der Dokumentarfilm die wechselvolle Geschichte von Hiddensee seit den 1920er Jahren, aktuelle Konflikte und das Sehnsuchtsgefühl, das die Ostseeinsel immer wieder auslöst.
Im Jahr 1948 wählte die in Dresden lebende Ausdruckstänzerin Gret Palucca als sommerliches Inselrefugium Hiddensee statt Sylt. Eine heutige Teilzeiteinwohnerin der etwa siebzehn Kilometer langen Ostseeinsel bringt als Relation gleich globale Maßstäbe ins Spiel. Schließlich habe Hiddensee fast gleiche Form und Größe wie das im 17. Jahrhundert den Delawaren abgekaufte Eiland in der Mündung des Hudson River. Gemeinsam mit Sylt und Manhattan hat die Insel zwischen Darß und Rügen jedenfalls die Tatsache, dass ihr Name für ein ganzes Lebensgefühl steht. Ein Flair, das im Fall von Hiddensee seit Ende des 19. Jahrhunderts Menschen aus Bohème, Kultur und Wissenschaft anzog und auch diesen Dokumentarfilm inspiriert. Doch dessen Kommentar stört schon während einer einleitenden Kamerafahrt entlang des langen Sandstrands allzu romantische Gefühle mit dem Hinweis, dass der dahinterliegende Inselort Vitte schon 1922 als »judenfrei« beworben wurde.
Später heißt es, die Insel sei »klein genug, um zu schauen, wie sich Persönliches und Geschichte ineinanderschiebt«. Verdichtungen, die der Film mit unterschiedlichen formalen Mitteln in unterschiedliche Richtungen durchquert, bis zu aktuellen lokalpolitischen Querelen um das Bürgermeisteramt der Gemeinde. Hauptfiguren sind zwischen Stummfilm-Ikone Asta Nielsen und den schon früh der Inselschönheit ergebenen Musikern der Punkband Feeling B (deren heute für Rammstein muckender Keyboarder Christian »Flake« Lorenz die Filmmusik verantwortet) die Tochter der Schauspielerin Inge Keller, der Dorfpfarrer und eine Fotografin, die mit wohlgewachsenen Inselsprößlingen am Strand Modefotos inszeniert. Und selbstverständlich Großschriftsteller Gerhart Hauptmann, der nach Jahrzehnten als Sommerfrischler ein gutes Jahr nach Einzug der Sowjetarmee am 4. Mai 1945 von SED-Größen feierlich auf dem Friedhof des Ortsteils Kloster beerdigt wurde. Seine vorherigen Huldigungen für die Hitleristen illustrieren im Film Auszüge aus dem Tagebuch von Ehefrau Margarete, das neben »Produktiv-Spaziergängen« und Windstärken auch eine auf Veranlassung Berliner NS-Größen gesponserte Weinlieferung würdigt. Dass auch Palucca – die sich später gern als Naziopfer gerierte – bereitwillig zur Eröffnung der Olympischen Spiele von 1936 in Berlin auftanzte, wird mit Mitteln eines lokalen Puppentheaters erzählt.
Das alles ist spannend. Doch die »betonte Gelassenheit«, die die Leiterin des Gerhart-Hauptmann-Hauses einer dort herumstreunenden Katze bescheinigt, steht in Kontrast zum Rhythmus des Films, der mit seinem impressionistischen Schauplatz- Hopping formal eher fahrig wirkt. Auch der den Film durchziehende Konflikt zwischen Bürgermeister und Dorfpfarrer wird eher atmosphärisch angeteasert – sachliche Hintergründe jenseits der mancherorts auf der Insel angesprühten Parole »Hauptmann oder Ballermann?« werden nicht sichtbar gemacht. Waren solche politischen Niederungen für Filmemacherin Hendel zu banal? Hat es einfach an Ausdauer gefehlt? Oder gab es andere Störfaktoren?





Kommentare
Hiddensee
Bin ernüchtert!
Zu DDR-Zeiten war jeder ausgebaute Hühnerstall für den stinknormalen Urlauber ein Hauptgewinn!
Film Hiddensse
Wer diesen Film anschaut,wird sicher nicht auf die Insel fahren.Es gibt nicht ein einziges schönes Bild.Nur unscharfe Schwarz/Weiß Bilder.Nur politisches und Nazizeit. Ich wußte,das es ein Dokumentarfilm sein soll,war aber überaus enttäuscht. Alles, was in der DDR gut und schön war,wird permanent schlecht gemacht.Sehr schlecht gemachter Film.Besonders die Häßlichen Marionetten.Ist wohl jetzt Kunst und was soll das mit den Models ?
Film Hiddensee
Ich komme seit etwa 30 Jahren gern auf die Insel und kann mich der obigen Meinung voll anschließen. Das mit der Mode passte nicht in die Doku, das noch früher die Hippies am Strand lebten und der Film " der Tangospieler" auch ein Dokument über die Zeit dort oben war blieb unerwähnt . Etwas Gutes gewollt , aber leider mit zu lauten Tönen überspielt , Eva Mathes ihre Stimme war wohltuender. Ich denke nur alte Liebhaber der Insel sind interessiert was hier gebraut wurde , bissel schade oder auch nicht für die die weiterhin die Ruhe suchen .
Film Hiddensee
Die Nazi - Größen durften Hauptmann hofieren, aber zum Glück entging er den DDR Bonzen ( sinngemäß im Film)
Diese Aussage fand ich empörend!!
Überhaupt nahm dieser unsympathische Hauptmann einen Großteil des Filmes ein. Es war schon sehr arrogant, wie er sich Katja und Thomas Mann gegenüber verhielt.
Ich finde den Film düster. Wenigstens die Gegenwart hätte man bunter darstellen können. Und... Leben auf dieser Insel nur der Pastor und der Bürgermeister und ein paar Frauen?
Und wo waren die Geschichten auf dem Dornbusch?
Ich bin mir nicht sicher, ob mir der Film handwerklich und künstlerisch gefallen hat. Schade, ich hatte große Erwartungen.
Ilona Claus
Hiddenseefilm
Ohne Herz ohne Verstand für die Insel
Dokumentarfilm "Hiddensee"
Die Insel ist mir bekannt von mehreren Besuchen.All die historischen Bezüge, die politische und künstlerische Vergangenheit bis in die aktuellen Fragestellungen, wie man die Insel "aufstellt" hat der Film m.E. grossartig gemeistert. Grandios fand ich gerade die Filmgestaltung, die wie ein Kaleidoskop immer wieder neue Ansichten freigab. Spannend die Freitheitsgeschichte der 80er (s.a. Lutz Seilers "Kruso"). Die SW-Konzeption war stringent, ebenso der Soundtrack und die Puppenspiel- und Brettspieleinlagen. Kurz: ein Dokumentarfilm ersten Ranges (und eben kein Insel-Promotionfilm!)
So geht ein Dok-Film auch
Ich stimme Johannes Wagner vollkommen zu. Man muss sich auf den Film einlassen ohne auf die üblichen Urlaubsimpressionen und/oder Hintergrunderklärungen zu warten. Es braucht ein bisschen Zeit, aber dann entfaltet diese "Inselgeschichte" einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Die sperrige Musik und die großartigen Puppen von Karl Huck tragen viel dazu bei. Das Beste was diese 119 Minuten mit sich bringen, ist das eigene Nachdenken und in Zusammenhang bringen. Keine vorgefertigte Kost, gut für's Gehirn.
Kritik
Wir waren in unserem Leben sehr oft in Kloster und Neuendorf. Ich hab so viele tolle Erinnerungen sn diese Aufenthalte, auch wenn die Unterkünfte zu DDR Zeiten recht abenteuerlich waren. Der Film gibt m.E. in keiner Weise die Atmosphäre wieder. Es ist mir zudem unverständlich, wieso der Familie von K.E. v.Schnitzler derartig viel Raum eingeräumt wird. Was hat der Film " Honecker und der Pastor " mit Hiddensee zu tun?
Wo blieb die Familie von Felsenstein?
Wer war vom " judenfrei" betroffen ? Gab es keine jüdischen KünstlerInnen , die bis dahin dort Urlaub machten?
Der Film hat ermüdende Längen, noch nicht einmal wurde der Ostsee Wertschätzung entgegengebracht, sie blieb wie alles andere im trüben Licht.
Schade ich hatte mir so viel von dem Film versprochen.
Dokumentarfilm Hiddensee
Ich war begeistert und entsetzt über diesen Film.
Da ich selbst zwischen Bodden und Ostsee aufgewachsen bin habe ich ein Gefühl für derartige Besonderheiten. Dass der Film in schwarz weiß gezeigt wird empfinde ich als passend, da es sich gut mit der Zeitspanne vereinbart über die der Film berichtet.
Entsetzt war ich über die Aussage -Judenfrei- was sollte damit angesprochen werden?
Sicherlich gibt es das Gerhard Hauptmann Haus auf der Insel. Durch die anhaltende Berichtserstattung über diesen Herrn dache ich eine Weile, dass der Film einen komischen Beigeschmack bekommt. Es gibt und gab durchaus auch noch weitere Menschen auf der Insel über die es sich zu berichten lohnt.
Einige Andere kamen dann auch noch zu Wort.
Was fast gänzlich fehlt sind die Mitbürger, die das Leben dort auch noch ausmachten und ausmachen, der Fischer, die Verkäuferin, der Koch, die Kindergärtnerin usw. Etwas wurde gezeigt, jedoch kamen sie nicht zu Wort.
Solche Menschen machen auch eine Insel aus.
Am Besten jeder sieht sich den Film selbst an und macht sich seine Gedanken dazu.
Naja
Verklärend, in Teilen falsch erzählt und perspektivisch sehr eingeschränkt. Die DDR auf Hiddensee war komplexer, "lieblicher" und viel weniger humorlos. Schnitzler, Keller und der Ost-Punk waren lediglich Randerscheinungen, wie anderswo auch. Milieufilm einer etwas verstaubten Berliner Szenekultur. Sonst nichts.
Hiddensee ade
Interessant dieses Bild der Insel zu sehen , leider Kein Anreiz dahin zu reisen, dabei bin ich Ost -Ostseefan!!!!
Traurig dieses schwierige Verhältnis bzw nicht Miteinander Pfarrer versus Bürgermeister…
Hatte mir mehr versprochen, schade.
Wir fahren demnächst nach
Wir fahren demnächst nach vielen Jahren auf die Insei. Von 1971- 1992 war ich jedes Jahr 2x manchmal 3x auf der Insel. Ich hab mich auf den Film gefreut. Was ich dann sehen musste ließ mich überlegen, ob ich überhaupt noch hinfahren möchte. Ich werde fahren und all die schönen Erinnerungen auffrischen, die mir der Film versagt hat.
Siehe Oben
Danke ihnen , genauso empfinde ich es auch . Morgens aufzuwachen mit dem Klacken der Hufeisen und dem Galopp der Pferde, diese Weite mit dem Wind im Haar . Auch das ist Hiddensee , Mascha Kaleko war jüdisch und auch dort.
Packen wir den Koffer und laufen barfuß durch den Sand mit dem Flug der Nonnengänse über uns !!
Hiddensee Film 2026
Ich hatte mich auf den Film gefreut und mich am Ende gefragt, ob die Regisseurin mit der Insel eine Rechnung offen hat. Sicher, Hiddensee wird oft verklärt und es ist "in", dort Urlaub zu machen. Da tut ein anderes Bild mal ganz gut. Trotzdem gibt es viele andere, auch schöne, Dinge, die nicht gezeigt wurden und damit kein rundes Bild für den Film abgeben. Schade. Sehr einseitig!
"Hiddnsee"
endlich mal wieder ein künstlerisch ambitionierter Film, ich fand ihn großartig. Irgendwie scheint der Großteil der hier Kommentierenden nicht verstanden zu haben, was einen Film ausmacht - das ist doch keine Fernseh-Wohlfühldokumentation oder Imagefilm für die Insel. Es geht um eine Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart. Wer Urlaubserinnerungen bestätigt haben möchte oder Portraits von bestimmten Personen haben möchte, sollte entsprechende Dokus schauen, aber nicht der Filmemacherin vorwerfen, dass sie das (absichtlich) nicht liefert.
Hiddensee
Im Großen und Ganzen stimme ich der Kritikerin Hallensleben zu.
Mir gefielen die SW-Bilder, die interessanten Kamera-Perspektiven.
Ich hätte gerne noch mehr gehört von "normalen" Menschen.
Das Hin- und Herspringen empfand ich als sehr anstrengend.
Und allein die Thematik der Dorfpolitik (Warum kann ein gewähltes Gemeinderatsmitglied einfach abgesetzt werden? Warum sind Bürgermeister und Pfarrer so sauer aufeinander?) hätte gereicht für die Doku.
Die Musik fand ich nicht so toll und man hätte trotz Hiddensee-Bezug sicher jemand anderen als Rammstein-Mitglied Flake finden können.
Die Puppenspiel-Einlagen waren sehr ästhetisch, aber haben sie für mehr Erkenntnis gesorgt? V.a. die drei Köpfe, die mit automatisch schreibenden Händen verbunden waren.
Teils Teils
Ich selber war nie auf Hiddensee. Ich fand den Film aber ästhetisch gelungen - schöne Bilder inhaltlich leider etwas wirr. Wieso wurde ewig auf Gerhart Hauptmann herumgeritten? Zu diesem Mensch hatte die 100-Jährige eigentlich alles gesagt.
Der Konflikt zwischen dem Bürgermeister und dem Pfarrer wurde viel Platz eingeräumt. Leider kam kein Unterstützer des Bürgermeister zu Wort (außer seiner "Assistentin"). Ich glaube, den Protagonisten wurden die falschen oder keine Fragen gestellt. Das können andere Dok-Filmer wirklich besser. Schade aber kein Weltuntergang.
Hiddensee - Hauptsache anders?
Die Filmemacher hatten, so scheint's, alles vermeiden wollen, was die Insel ausmacht, wohl in der Angst, unmodern zu erscheinen. Wir kennen Hiddensee seit 1975, besuchten sie in unregelmäßigen Abständen immer wieder, und nicht nur als Tagesgäste. Wir kennen die Idylle, den Mangel zu DDR-Zeiten, wir kennen aber auch die Brüche der letzten Jahrzehnte. Die aus Fischern Bettenmacher und Fensterputzer gemacht haben. Depressionen und vorzeitiger Tod sind nicht selten seitdem. Aber es gibt sie dennoch, die"Ureinwohner" mit ihrem kauzigen Humor, dessen Sprödigkeit den Gast stutzen lässt, der an die falsche Zuvorkommenheit von Hotelrezeptionen gewöhnt ist. Kennt man die Hiddenseer näher, ist ihre besondere Art der Herzlichkeit oft ein Grund wiederzukommen. Im Film bleiben sie unsichtbar. Warum? Könnten sie vielleicht unbequeme Wahrheiten über fragwürdige Praktiken so genannter Investoren oder Machtspielchen diverser Provinzpolitiker in die Debatte werfen? Stattdessen wird der Kinobesucher mit der Dauerpräsenz von Pfarrer und Bürgermeister beglückt. Die tieferen Gründe für ihr Gezänk bleiben verborgen, oberflächliche Andeutungen und hastige Filmschnitte lassen fragen, was das überhaupt soll.
Somit bleiben Sinn des Films und die Absichten seiner Macher im Dunkel. Oder gab es die gar nicht? Außer: Hauptsache anders!
Hiddensee
Ein schwacher Film. Alles nur angedeutet, nichts vertieft. Fluchtgeschichten fehlen komplett. Der Ursprung des Konfliktes zwischen Bürgermeister (, AfD?) und Pfarrer bleibt verborgen. Der Pfarrer plädiert wohl für eine Öffnung der Insel, der Bürgermeister für eine lokale Verortung nach dem Motto " Wir bleiben unter uns". Leider bleibt am Ende nicht viel übrig und der Film ist bald vergessen.
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