Geballte Ladung
Am kommenden Wochenende prasselt es Nachrichten aus einem untergegangenen Land. Die DEFA-Stiftung feiert großflächig das 80. Jubiläum ihres Namensgebers, der Deutschen Film-Aktiengesellschaft, die am 17. Mai in Potsdam-Babelsberg gegründet wurde.
Auf ihrer Website finden Sie eine Liste der teilnehmenden Kinos (https://www.defa-stiftung.de/stiftung/aktuelles/meldung/wir-feiern-80-jahre-defa-im-kino); es sind auch einige in den alten Bundesländern mit von der Partie. Es sind recht bunte Programme; tatsächlich fällt erstens auf, dass kaum Schwarzweißfilme darunter sind (immerhin aber „Sterne“ von Konrad Wolf) und zweitens, dass auch der Korpus der Keller- bzw. Regalfilme fehlt, also jener Jahrgang 1965/66, der nach dem berüchtigten 11, Plenum des Zentralkomitees der SED ebendort für zweieinhalb Jahrzehnte verschwand.
Am Sonntag ist es keineswegs vorbei mit der Ostalgie. Im fast runderneuerten International, dem großen Uraufführungskino der DDR, läuft fortan in jedem Monat bis zum Jahresende ein herausragender Film. Das Filmmuseum Potsdam zeigt ab dem 5. Juni seine Foyerausstellung "Diene Ehrlich Friedlichem Aufbau", auf die ab dem 23. Juli eine Sonderausstellung mit dem prägnanten Titel "Ohne Frühstück. Ohne Diskussion" folgt. Als Prolog beziehungsweise Countdown läuft ab dem nächsten Freitag (15.5.) eine Retrospektive, in der auch die schwarzweißen Klassiker der Gründungsjahre (Die Mörder sind unter uns, Ehe im Schatten etc.) zu sehen.
Das Berliner Zeughauskino war schon ein wenig ungeduldiger. Es zeigt bereits seit dem 8. Mai eine Reihe von Selbstreflexionen (https://www.dhm.de/zeughauskino/filmreihe/selbstauskuenfte-filme-ueber-film/). Das Filmarchiv Austria war sogar noch schneller und eröffnete am Vortag seine Retro „Im Osten viel Neues“, in der auch der schmerzliche Einschnitt der Mittsechziger repräsentiert ist (https://www.filmarchiv.at/de/kino/filmreihe/sg_0333SUMrz88A8Pdq8p4uFZ). Beide Reihen sind interessant kurariert. Michael Grisko zeigt in Berlin beispielsweise „Motivsuche“ (1990) des Dokumentarfilmers Dietmar Hochmuth, einer wichtigen Stimme, die allzu oft unter den Tisch fällt. Florian Widegger gelingt in Wien wiederum das ketzerische Kabinettstück, in seiner Retrospektive komplett auf Arbeiten von Wolfgang Kohlhaas zu verzichten. Es funktioniert: Kecker Mutterwitz wird auch so geboten - und vielleicht ist der Ruhm des überragenden Drehbuchautors ja ohnehin eher eine wohlige Erfindung des Westens.
Für heute nur ein geballter Programmhinweis – ein ausführlicher Text folgt.




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