David Brown hatte wohl recht, als er behauptete, jeder könne sich noch daran erinnern, wann er »Der weiße Hai« zum ersten Mal gesehen hat. Für mich trifft das auf alle Fälle zu. Ich holte ihn mit zwei Jahren Verspätung nach, als er 1977 im Sommerprogramm des alten Astoria in Bielefeld lief. Da ich daheim meine Brille hatte liegen lassen, mussten mein Schulfreund Heiko und ich uns in die erste Reihe setzen.
Im Frühjahr 1988 hatte ich unwahrscheinliches Glück. Ich sah einen Film, der eigentlich nicht zu sehen war. Dabei handelte es sich keineswegs um eine geheime Vorführung, ich musste einfach nur in das Programm des Arsenal schauen, das damals noch in der Welserstraße beheimatet war, um dort "Bluebeard's Castle" zu finden.
Maiwenns Film »ADN« handelt von einer Enkeltochter, die den Tod ihres Großvaters verwinden muss. Sein Selbstverständnis bildete das Rückgrat der algerisch-französischen Familie, er war stolz auf seine maghrebinische Herkunft und ebenso stolz, Franzose zu sein. Seine Enkelin macht einen DNS-Text und staunt nicht schlecht, als sie das Ergebnis in Händen hält: Ihre Wurzeln liegen keineswegs nur in Nordafrika, sondern sind über alle Kontinente verstreut. Was mich zur Bundestagsfraktion der AfD führt.
Es sind nicht nur die Meisterwerke, aus denen Sätze hängenbleiben. Das kann auch bei Filmen passieren, die bescheidener daherkommen. Plötzlich fallen Worte, die sich ins Gedächtnis einschleichen, leise Genieblitze, in denen Drehbücher über sich hinauswachsen. Manchmal aber spielt uns die Erinnerung einen gehörigen Streich.
Das erste Bild, das mir zu der Stadt Hiroshima einfällt, ist die Ruine eines Gebäudes mit einem markanten Kuppeldach. Von ihm ist nur noch das Gerüst übrig, das einem Skelett ähnelt. Es gibt zahllose Ansichten von ihm, oft ist zu sehen, wie es die Trümmer der zerstörten Stadt überragt. Merkwürdig, erst jetzt kam ich auf die Idee, mich zu fragen, was es mit ihm auf sich hat.
Er liebte diese Insel, die wie ein Juwel im Mittelmeer liegt und einlädt, ihre Schönheit und ihren Zauber zu entdecken. Sizilien, fand Damiano Damiani, sei ein warmer, großzügiger Flecken Erde, der jeden Besucher beim Vornamen nennt. Kaum vorstellbar, dass er von dem selben Sizilien sprach, in dem er so viele Mafia-Film drehte. Ganz zu schweigen von jenem, in dem Franca Viola lebt.
Heute, am 4. April vor 100 Jahren wurde die SS gegründet. Arno Widmann, der in einer Serie für die „Frankfurter Rundschau“ seit geraumer Zeit die erstaunlichsten Gedenktage in Erinnerung ruft, schreibt ausführlich darüber. Es ist ein gravierendes Datum: "In der frühen Weimarer Republik herrschte Bürgerkrieg."
Als ich Anfang November letzten Jahres die Pressemitteilung vom DOK Leizig las, dachte ich: Mensch, das muss aber eine ausnehmend cinéphile Jury gewesen sein! Sie hatte eine erstaunliche Wahl getroffen, in dem sie „Le cinquiéme plan de 'La Jetée'“ /“La Jetée, the fifth shot“ mit dem Hauptpreis auszeichnete, Dominique Cabreras eigentümliche Annäherung an Chris. Markers berühmten Foto-Film von 1962. Gewiss liefen im Wettbewerb lauter Arbeiten, die sich mit drängenderen zeitgeschichtlichen Fragen auseinandersetzen.
Zvi Malkin konnte den Gedanken nicht ertragen, seinen Gefangenen zu berühren. Dabei war er daran gewohnt, mit seinen Gegner auf Tuchfühlung zu gehen. Mit zwölf war er der Haganah beigetreten, später bildete ihn der Mossad zum Spezialisten für Sabotage Sprengstoff, aber auch im Nahkampf aus. Aber den Mann, den er nun bewachte, konnte er nicht anfassen.
Valerie Pachner, geboren 1987 in Wels, ist eine österreichische Schauspielerin. Sie spielte in Terrence Malicks »Ein verborgenes Leben« die Fani Jägerstätter. 2017 gewann sie den Österreichischen Schauspielpreis und die Romy für »Egon Schiele: Tod und Mädchen«. Für »Der Boden unter den Füßen« erhielt sie den Deutschen Schauspielpreis 2019. Adrian Goigingers »Vier Minus Drei« startet am 16.4.
Julia Ducournau, 1983 in Paris geboren, ist eine französische Regisseurin und Drehbuchautorin. 2016 gab sie mit »Raw« ihr Spielfilmdebüt, 2021 gewann sie mit »Titane« die Goldene Palme von Cannes. Ihr Stil zeichnet sich durch eine eigentümliche Mischung aus Body-Horror und Arthouse-Drama aus.