Netflix: »Der Kinderflüsterer«

englisch © Netflix

Jahrzehnte nach einer Mordserie verschwinden in einer Stadt wieder Kinder. Ist der Täter von damals erneut am Werk?

Während romantische Komödien gerade ein kleines Comeback erleben, ist es um ein anderes in den 80er und 90er Jahren omnipräsentes Genre schlechter bestellt. Klassische Psychothriller, in denen Serientäter ihr Unwesen treiben und mal mehr, mal weniger wackere Ermittler*innen versuchen, ihnen auf die Schliche zu kommen, lassen sich nicht mehr im Kino, sondern fast nur noch in Serienform finden. Ausgerechnet die Russo-Brüder, zuletzt vor allem mit Superheld*innen oder reichlich unrealistischen Geheimdienstgeschichten (»The Gray Man«, »Citadel«) beschäftigt, lassen als Produzenten mit »Der Kinderflüsterer« Thriller in Filmform bei Netflix wieder aufleben.

Der Plot klingt dabei kaum hanebüchener als vieles, was früher auf der Leinwand zu sehen war. Der frisch verwitwete Krimiautor Tom Kennedy (Adam Scott) zieht mit seinem kleinen Sohn Jake (Acston Luca Porto) für einen Neuanfang zurück in seine Heimatstadt an der Ostküste. Ungefähr zur gleichen Zeit wird dort die Leiche eines Jungen gefunden, ein weiteres Kind wird vermisst. Die ermittelnde Polizistin Amanda Beck (Michelle Monaghan) erkennt bald Parallelen zum Jahrzehnte zurückliegenden Fall des Kinderflüsterers: Damals entführte und tötete Frank Carter (Michael Keaton) kleine Jungen und verschickte geflüsterte Botschaften auf Kassette an deren Familien.

Könnte der seit Langem im Gefängnis sitzende Serienmörder abermals verantwortlich sein? Hatte er womöglich einen Komplizen? Der einst mit dem Fall und Carters Überführung betraute Detective Peter Willis (Robert De Niro), längst pensioniert, möchte mit dem Fall nichts mehr zu tun haben. Doch das ändert sich, als auch Jake spurlos verschwindet. Denn Willis ist Toms Vater – und so macht er es sich zur Aufgabe, nicht nur das zerrüttete Verhältnis zu seinem Sohn zu kitten, sondern mit Kollegin Beck die Wahrheit und den hoffentlich noch lebenden Enkel zu finden.

Dass Geschichten dieser Art in Plot, Dialogen und Figurenzeichnung gewissen Konventionen folgen, muss kein Nachteil sein. Solange Spannung und Unterhaltungswert stimmen, kann man darüber hinwegsehen, auch wenn – wie nun in »Der Kinderflüsterer« – die Handlung etwas überraschungsarm bleibt und die hochkarätigen Schauspieler*innen angesichts ihrer Texte etwas uninspiriert wirken. Nicht, dass in Sachen Spannung in dieser Adaption des gleichnamigen Bestsellers von Steve Mosby (Pseudonym: Alex North) nicht noch Luft nach oben gewesen wäre. Gerade der psychologische Teil der Brutalität in dieser mit Vater-Sohn-Konflikten etwas zu vollgestopften Story gerät gegen Ende ins Hintertreffen. Die Inszenierung von James Ashcroft ist aber so solide, dass sein Film die angesichts der Thrillerdürre im Kino und vieler fast peinlicher Serien im Harlan-Coben-Stil niedrig angelegte Messlatte locker überspringt. Der Weg zurück in alte Genrehöhen wird aber noch ein langer sein.

OV-Trailer

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